"Grüner Balkon": Das ist der aktuelle Stand
Das Bauprojekt „Grüner Balkon“, das derzeit an der Elbe in Geesthacht umgesetzt wird, ist seit Wochen Thema in öffentlichen Fachausschüssen der Stadt – zuletzt am 5. Oktober 2026 im Ausschuss für Bau, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Dort stellte die Stadtverwaltung den aktuellen Stand des Projekts vor, stimmte mit der Stadtpolitik das weitere Vorgehen ab und kündigte Maßnahmen an, die jetzt vor Ort umgesetzt werden: unter anderem die Beseitigung von Mängeln, die während der Bauphase entstanden sind. Diese werden durch die verantwortliche Baufirma auf eigene Kosten behoben.
Die Spielgeräte auf der Spielfläche wurden aufgestellt
Zum Status Quo: Die bauliche Umsetzung des „Grünen Balkons“ ist weitestgehend abgeschlossen. Vergangene Woche (41. Kalenderwoche) wurden die bestellten Spielgeräte für die Spielfläche angeliefert und eingebaut. In dieser Woche (Kalenderwoche 42) sollen nun fehlerhaften Abstände zwischen den Gabionen im Bereich der Rampen korrigiert werden. „Ein Teil der Gabionen in beiden Rampenbereichen wurde zu eng zueinander angeordnet. Statt der erforderlichen 1,50 Meter wurden dort durch die Baufirma 1,30 Meter umgesetzt. Um sicherzustellen, dass die erforderliche Durchgangsbreite gewährleistet ist und insbesondere auch Rollstuhlfahrer die Rampenbereiche uneingeschränkt passieren können, hat die Stadt auf einer Ausführung gemäß den Planvorgaben bestanden. Die Baufirma passt die betroffenen Bereiche daher derzeit entsprechend an“, erklärt die Stadtverwaltung Geesthacht den Hintergrund der aktuellen Arbeiten am „Grünen Balkon“. Ebenfalls sind für die Kalenderwoche 42 die Anlieferung und der Einbau weiterer Ausstattungsgegenstände vorgesehen. Ein Teil der Bänke befindet sich jedoch noch im Zulauf und kann daher erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgestellt werden.
Voraussichtlich Ende Oktober werden die ersten Stauden gepflanzt
Die Entscheidung über einen Rückbau der Gabionen und der gepflasterten Bereiche des „Grünen Balkons“, den die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen per Änderungsantrag im Ausschuss am 5. Oktober gefordert hatte, wurde von der Politik vertagt. Ein Baustopp wurde von Seiten der Politik nicht gefordert. Stattdessen nahm der Bauausschuss den Bericht der Stadtverwaltung über die noch ausstehenden Restarbeiten zur Kenntnis. Es wurde von den Ausschussmitgliedern nickend zugestimmt, dass die Arbeiten wie bisher beauftragt weiter fortgeführt werden, bis über die Anträge in der nächsten Sitzung abgestimmt wurde.
Das heißt: Im November 2026 sollen nahe der Spielfläche vier Bäume und auf der obersten Ebene des terrassenartig angelegten Areals ein weiterer Baum eingepflanzt werden. „Die Baumscheibe des einzelnstehenden Baums in der Rasenfläche kann noch mit Stauden unterpflanzt werden“, informierte Benjamin Storbeck, Leiter des Fachbereichs Planung, Bau und Umwelt, während der Sitzung. Hinzu kommen 370 Stauden, die voraussichtlich ab Ende Oktober in Beeten gepflanzt werden sollen – insgesamt macht die Pflanzfläche etwa 46 Quadratmeter Fläche aus. „Wir werden acht Pflanzen pro Quadratmeter einpflanzen. Ausgewählt werden heimische Arten“, erklärte Anette Platz, Leiterin des Fachdienstes Umwelt, im Ausschuss. „Wo unterhalb der Gabionen Beete vorhanden sind, werden Rankpflanzen wie beispielweise die gemeine Waldrebe (Clematis) gesetzt, die die Gabionen beranken werden. Bei den Gabionen, an deren Oberkannte Grünflächen grenzen – wie beispielsweise bei der Gabionen-Reihe an der Promenade – können teppichartige, stark wuchernde Dickblattstauden wie Fetthenne und Mönchspfeffer gepflanzt werden. Diese Pflanzen wachsen auch ohne Substrat-Untergrund einen guten Meter breit, so dass sie zur Begrünung der Gabionen beitragen können.“ Darüber hinaus wird geprüft, ob zur weiteren Begrünung des Gebiets eine direkte Bepflanzung der Gabionen möglich ist. Die größere Schotterrasenfläche entlang der neu errichteten Wohnbebauung kann nicht zusätzlich mit Stauden und Bäumen bepflanzt werden, da es sich hierbei um eine Aufstellfläche für die Feuerwehr handelt.
Stadtverwaltung schlägt weitere Bäume an der Straße Elbblick vor
Hinausgehend über die im Ausschuss vorgestellte Begrünung des „Grünen Balkons“, schlägt die Stadtverwaltung vor, dass im Bereich der Parkbuchten in der Straße Elbblick zusätzlich sieben bis acht Kugeleichen (eine Art ohne Früchte) gepflanzt werden. Kosten inklusive Lieferung: rund 7.000 Euro. Die Entscheidung über dieses zusätzliche Grün hat der Ausschuss für Bau, Feuerwehr und Katastrophenschutz am 5. Oktober 2026 auf Antrag der CDU zur weiteren Beratung in die Fraktionen vertagt.
Zur weiteren Einordnung: Der „Grüne Balkon“ wurde in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert. Kritikpunkte waren: Die Ausführung weicht von der Skizze im Erschließungsvertrag ab (siehe angefügte Gegenüberstellung) und die Kosten haben sich von der Kostenschätzung im Jahr 2022 zur Umsetzung in 2026 erheblich erhöht.
Historie des Projekts "Grüner Balkon" wird aufgearbeitet
Die Kostensteigerung schlüsselte Benjamin Storbeck in der Sitzung am 5. Oktober 2026 auf: Die Kostenschätzung, deren Grundlage der Erschließungsvertrag war, betrug rund 311.200 Euro brutto (rund 261.500 Euro netto). In der Kostenberechnung von 2025, der die Terrassenvariante mit Gabionen zugrunde liegt, werden rund 451.100 Euro (brutto) für den „Grünen Balkon“ sowie der Straße Elbblick ausgewiesen und weitere 68.200 Euro (brutto) für Flächen, die für die Verkehrserschließung des „Grünen Balkons“ hergestellt werden mussten. Die 2025 und 2026 eingegangenen Kostenanschläge der ausführenden Firmen kommen in Summe dann auf Kosten von rund 648.800 Euro (brutto) für die Herstellung des „Grünen Balkons“ und knapp 60.000 Euro für die dortige Spielfläche. Ein Grund für die Mehrkosten ist unter anderem die allgemeine Kostensteigerung. Diese beträgt laut BIK/Baupreisindex bei Arbeiten im Bereich Tiefbau seit 2021 ein Plus von rund 47,8 Prozent und im Bereich Landschaftsbauarbeiten eine Preissteigerung von rund 49,5 Prozent. Darüber hinaus ist bei Kostenschätzungen grundsätzlich von einer Genauigkeit von +/- 30 Prozent auszugehen. „Wie hoch die Gesamtkosten bei der Bauvariante, die im Erschließungsvertrag skizziert ist und auf der die ursprüngliche Kostenschätzung basierte, letztlich ausgefallen wären, lässt sich heute nicht abschließend sagen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch bei dieser Variante die Kosten aufgrund der weiteren planerischen Ausarbeitung und der allgemeinen Baukostensteigerungen deutlich über der ursprünglichen Kostenschätzung gelegen hätten“, ordnet die Stadtverwaltung ein.
Warum die baulich umgesetzte Variante des „Grünen Balkons“ lediglich den Fraktionsvorsitzenden vorab vorgestellt und nicht von der Stadtverwaltung zur Beratung und Beschlussfassung in den Fachausschuss gegeben wurde, wird derzeit genauso wie die Gesamt-Historie des Projekts aufgearbeitet. Hierfür werden Unterlagen aus dem Zeitraum 2021 bis 2026 gesichtet. Eine abschließende Bewertung ist noch nicht erfolgt. Involviert sind in die Prüfungen neben der Stadtverwaltung Geesthacht auch das Rechnungsprüfungsamt und das Innenministerium Schleswig-Holsteins.