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Stadtarchiv in der Stadt Geesthacht

Archive in Schleswig-Holstein stehen jedermann offen. Zu wissenschaftlichen Zwecken, für heimatkundliche Fragestellungen, zur Erforschung der eigenen Familie oder zur Klärung von Rechtsfragen können Interessierte im jeweils zuständigen Archiv Archivgut auswerten. Archivgut können Akten sein, aber auch Karten, Urkunden, Fotos, Filme oder digitale Daten.

Zu nahezu allen Fragen der Regionalgeschichte bieten auch die Bestände des Geesthachter Stadtarchivs Auskunfts- und Informationsmöglichkeiten. Es ist das öffentliche Gedächtnis der Stadt und eine Erfahrungsschatzkammer für alle Fragen zur Ortsgeschichte.

Geschichte

Das Stadtarchiv Geesthacht wurde in den Jahren 1983 bis 1985 eingerichtet und umfasst die Verwaltungsüberlieferung der Stadt Geesthacht sowie der ehemals selbstständigen Gemeinden Besenhorst/Düneberg und Krümmel/Grünhof-Tesperhude. Ein erstes Archivmagazin wurde im Keller des alten Teils des Geesthachter Rathauses eingerichtet.

Bis auf einzelne Unterlagen setzt der Bestand erst im 20. Jahrhundert ein, denn der Schwerpunkt der erhaltenen Archivalien vom 15. bis zum 20. Jahrhundert befindet sich im Staatsarchiv Hamburg. Diese Bestände sind in einer Schriftenreihe des Stadtarchivs festgehalten. Zwischen Mai 1984 und April 1985 wurden die sogenannten Altakten der Stadt Geesthacht geordnet und archiviert. Mit dem Begriff Altakte wird dabei dasjenige Schriftgut bezeichnet, das vor 1950 entstanden ist. Um entsprechend dem Provenienzprinzip (archivisches Ordnungsprinzip als Grundlage für die Ordnung und Erschließung von Archivgut) die Akten in Bestände einteilen und die ursprüngliche Registraturordnung herstellen zu können, wurde zunächst festgestellt, welche Verwaltungen in Geesthacht tätig gewesen sind.

Dabei ergab sich folgende Übersicht der Verwaltungsschichte Geesthachts:          


  • 1420 - 1867
    Verwaltung des Amtes Bergedorf (Geesthacht gehörte dazu) durch die beiden Hansestädte Hamburg und Lübeck
  • 1867 - 1873             
    Mit dem Ankauf des lübeckischen Anteils kommt das Amt Bergedorf zum Jahreswechsel 1867/1868 unter alleinige Hamburger Herrschaft und wird vorläufig nach Maßgabe der hamburgischen Verfassung von 1860 verwaltet
  • 1873 - 1924             
    Grundlage der Verwaltung ist in dieser Zeit die sogenannte Hamburger Landgemeindeordnung von 1871
  • 1924 - 1937             
    Maßgebend für die Verwaltung Geesthachts ist die Hamburgische Städte- und Landgemeindeordnung von 1924
  • 1937 - 1945             
    Auf der Grundlage des sogenannten Groß-Hamburg-Gesetzes vom 26. Januar 1937 wird Geesthacht Stadt des Kreises Herzogtum Lauenburg und gehört von nun an zu Preußen
  • 1945 - 1950             
    Die Bestimmungen der britischen Besatzungsmacht sind maßgebend für die Verwaltung
  • Ab 1950 bilden die Gemeinde-, Kreis- und Amtsordnung Grundlage der kommunalen Selbstverwaltung

Entsprechend dieser Chronologie wurde das Aktenmaterial der Stadt Geesthacht in Bestände eingeteilt und bis heute erweitert.

Aufgrund der Einbindung in die städtische Kulturarbeit im GeesthachtMuseum besitzt das Stadtarchiv seit seiner Einrichtung auch eine umfangreiche zeitgeschichtliche Sammlung.

Dass die Bestände heute im Stadtarchiv Geesthacht so geordnet der Verwaltung und Öffentlichkeit zur Verfügung stehen - soweit die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind - verdanken wir der Gründung der Archivgemeinschaft der Städte Schwarzenbek, Geesthacht, Lauenburg/Elbe sowie der Gemeinde Wentorf bei Hamburg und dem Amt Büchen. Der Impuls zur Gründung kam von der Stadt Schwarzenbek, als es um die Frage ging, wie mit der Altregistratur einer Behörde verfahren und wie kosteneffizient gehandelt werden könnte. Hintergrund war der 1983 notwendig gewordene Umzug der Verwaltung in ein neues Rathausgebäude. Eine Lösung war die Verteilung der Lasten auf mehrere „Schultern“. Am 7. Januar 1985 unterschrieben die gesetzlichen Vertreter der Einrichtungen einen privatrechtlichen Vertrag zur Bildung einer Archivgemeinschaft.

Kern dieser Vereinbarung war die Bereitschaft aller Beteiligten, Archive als feste Verwaltungsstellen bei sich einzurichten. Wesentliche Bestandteile des Vertrages waren, dass der Zusammenschluss freiwillig und jederzeit kündbar sei und dass die Vertragspartner selbstständig über die Arbeiten in den eigenen Archiven vor Ort entscheiden. Bis zu seinem Ruhestand 2012 leitete Dr. William Boehart die Archivgemeinschaft. Geesthacht entschloss sich ab 2012 aus mehreren Gründen seine aktive Mitgliedschaft 2013 in eine passive umzuwandeln und die Archivleitung mit der Stelle der Museumsleitung zusammenzulegen. 2019 erfolgte der Austritt aus der Archivgemeinschaft. Somit arbeitet das Stadtarchiv seit 2020 eigenständig unter der Verantwortung eines städtischen Archivars. 

Aufgaben

Das Stadtarchiv Geesthacht archiviert Unterlagen, in erster Linie Schriftgut, aber auch andere Informationsträger wie Karteien, Dateien, Karten, Pläne, Bild-, Film-, Ton- und maschinenlesbare Datenträger. Der Zugang ist seit 1992 in Schleswig-Holstein gesetzlich gemäß des Landesarchivgesetzes geregelt. Danach müssen die Behörden und Gerichte des Landes alle bei ihnen entstandenen Unterlagen, die zur Aufgabenerfüllung nicht mehr benötigt werden, dem Landesarchiv angeboten werden. Die sogenannte „Kommunalklausel“ übertrug den Kreisen, Gemeinden, Ämtern und Zweckverbänden die Archivierung und Nutzbarmachung der bei ihnen entstandenen Unterlagen in eigener Verantwortung durchzuführen.

Für Geesthacht ist somit das Stadtarchiv zuständig. Dabei spielt das Medium keine Rolle, denn das Gesetz gilt für analoge ebenso wie für digitale Unterlagen. Die Stadtverwaltung Geesthachts umfasst knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die statistisch zusammen mehrere hundert laufende Meter Unterlagen jährlich erstellen, die vom städtischen Archivar je nach den Aufbewahrungsfristen in den einzelnen Verwaltungsbereichen auf ihre Archivwürdigkeit zu bewerten sind. Nur die wirklich archivwürdigen Unterlagen werden davon dauerhaft aufbewahrt, das sind in der Regel nur drei bis fünf Prozent des entstandenen Schriftgutes. Und diese bilden die historische Basis für zukünftiges Handeln und Erinnern.

Das Geesthachter Stadtarchiv ist immer wieder durch Ausstellungen, Führungen, Vorträge und lokalgeschichtliche Veröffentlichungen im Bewusstsein der Bevölkerung präsent. Es unterstützt damit auch das historische Wahrnehmen und die Identität der Bevölkerung mit ihrer Stadt Geesthacht.

Bestände

  • Bestand I Gemeinde Geesthacht (bis 1924, 191 Verzeichnungseinheiten [VE - Einheit innerhalb eines Bestandes mit eindeutiger Kennzeichnung durch die nur einmal vorhandene Signatur und dazu gehörige Verzeichnungsangaben im Findmittel])
    (Protokoll der Gemeindeversammlung (ab 1874), Bau- und Grundstücksangelegenheiten, Finanzverwaltung, Verkehrswesen und Wirtschaftsförderung)

  • Bestand II Stadt Geesthacht (1924-1937, 797 VE)
    (Reichs- und Landesangelegenheiten, Stadtverwaltung, Bau- und Grundstücksangelegenheiten, Sport, Kultur, Schule, Finanz- und Verkehrswesen, Forst- und Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe)

  • Bestand III Stadt Geesthacht (1937-1945, 450 VE)
    (Allgemeine Verwaltung, Bau- und Grundstücksangelegenheiten, Sport, Kultur, Schule, Finanz- und Verkehrswesen, Forst- und Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe)

  • Bestand IV Stadt Geesthacht (1945-1950, 239 VE)
    (Protokolle der Nachkriegszeit, Bestandsverzeichnisse städtischer Einrichtungen, Bau- und Grundstücksangelegenheiten, Sport, Kultur, Schule, Finanz- und Verkehrswesen, Forst- und Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe)

  • Bestand V Gemeinde Besenhorst / Düneberg (bis 1937, 207 VE)
    (Protokollbücher (ab 1887), Wahlen, Bau- und Grundstückverwaltung, Schule, Bildung und Kirche sowie Finanzunterlagen)

  • Bestand VI Gemeinde Grünhof-Tesperhude
    (Protokollbücher (ab 1907), Bauanträge, Finanzwesen, Verkehrswesen, Schule, Kultur und Bildung)

  • Bestand VII Karten und Pläne
    (Über 100 historische Karten und Pläne der Bauverwaltung sowie Reproduktionen von Karten in anderen Archiven)

  • Bestand VIII Zeitgeschichtliche Sammlung (über 1500 VE)
    Aufgrund seiner Einbindung in die städtische Kulturarbeit zusammen mit dem GeesthachtMuseum! hat das Stadtarchiv seit seiner Einrichtung eine umfangreiche zeitgeschichtliche Sammlung.
    (Graue Literatur zur Ortsgeschichte, Unterlagen von Vereinen und Verbänden, Zeitungsausschnitte, Nachlassdokumente, Reproduktionen)

  • Bestand IX Stadt Geesthacht (1950-1975, 1439 VE)
    (Protokolle, Schul- und Kultur-, Bauverwaltung, Ordnungs- und Sozialamt, Finanzverwaltung)

    Für die folgenden Sammlungsbereiche sind noch keine archivischen Bestände eingerichtet:

  • Foto- und Filmarchiv
    (Die Fotosammlung umfasst über 5000 Aufnahmen, darunter zahlreiche Reproduktionen aus der Zeit vor 1950 sowie über 500 regionale Ansichtskarten. Der Bestand besteht zum größten Teil aus Aufnahmen bzw. Reproduktionen des Fotografen Werner Hinzmann sowie aus denen des Heimatbund und Geschichtsvereins Herzogtum Lauenburg, Bezirksgruppe Geesthacht. Die Sammlung umfasst außerdem eine große Zahl historischer Luftfotos. Hierzu gehören Filme (Normal und Super 8) über Geesthacht aus den 1960er und 70er Jahren.)

  • Handbibliothek
    (Die Handbibliothek enthält die wichtigsten Werke zur Regionalgeschichte und eine komplette Sammlung der Zeitschrift Lauenburgische Heimat.)

  • Weitere Überlieferungen
    (Grafiksammlung Griffelkunst, Plakatsammlung GeesthachtMuseum!, Sammlung des Heimatbundes und Geschichtsvereins Bezirksgruppe Geesthacht, verschiedene Nachlässe)

Findmittel

Das A(lpha) und O(mega) der Archivarbeit sind Findmittel, eine banale, aber wichtige Einsicht. Im Internetzeitalter kennen wir alle das Googeln. Wie „googelt“ man im Archiv? Mit den so genannten Findmitteln.

Als das Stadtarchiv Geesthacht in den 1980er Jahren eingerichtet wurde, steckte die EDV – zumindest in kommunalen Verwaltungen – in den Anfängen. So entstanden die ersten Findmittel nach herkömmlicher Art: Archivalien wurden auf Karteikarten aufgenommen – Signatur, Titel, Laufzeit, Umfang und Besonderheiten. Bestände wurden gebildet und Gliederungen festgelegt. So entstand das erste Findbuch des Stadtarchivs Geesthacht (der Schlüssel zum Archiv), das bei der Archiveröffnung 1985 vorgestellt wurde.

Als Findbuch oder Repertorium bezeichnet man im Archivwesen ein handschriftliches auch maschinengeschriebenes oder digitalisiertes Verzeichnis der Archivalien eines Archivs. Findbücher sind gleich aufgebaut: Jedes Findbuch hat einen Namen, eine eigene Signatur und eine sogenannte Laufzeit. Zunächst gibt es ein Vorwort, in dem nähere Informationen zur Geschichte des Bestandes zu finden ist. Diese Informationen sind wichtig, damit der Benutzer besser erkennen kann, was er in diesem Bestand finden kann. Es folgt ein Inhaltsverzeichnis. Danach folgt eine Auflistung der Akten des Bestandes: Signatur, Titel der Akte, Laufzeit. Hier kann der Benutzer entscheiden, welche Akte er später bestellen will. Schließlich gibt es bei den meisten Findbüchern einen Orts-, Personen- und Sachindex.

Findbuch der Stadt Geesthacht

Kooperation

Seit der Gründung des Stadtarchivs besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem lokalen Heimatbund und Geschichtsverein. Mit dessen Vorsitzenden Holm Lilie und seit 1998 mit Helmut Knust fanden und finden freundschaftliche und produktive Gespräche statt, die zu gemeinsamen Projekten geführt haben. Vortragsreihen, historische Radtouren sowie zahlreiche Ausstellungen und Publikationen sind als gemeinsame Projekte konzipiert und umgesetzt worden. Dank der Vereinszeitschrift „Lauenburgische Heimat“ besteht ein Forum für die Veröffentlichungen von Aufsätzen, die zu einem tieferen Verständnis für die Regionalgeschichte beigetragen haben. Seit 2007 betreut eine Arbeitsgruppe des Geschichtsvereins die Fotobestände des Stadtarchivs.

Die Mischung aus hauptamtlicher und professioneller Geschichtsarbeit durch das Geesthachter Stadtarchiv und GeesthachtMuseum sowie ehrenamtlicher Heimatforschung durch den Heimatbund und Geschichtsverein erweist sich als produktiv und zukunftsgerichtet. Kommunale Archive leben von der engen Verflechtung mit der Region. Dies erfolgt am produktivsten durch persönlichen Kontakt, durch Gespräche und gemeinsame Unternehmen. Hierfür liefert Geesthacht ein positives Beispiel.

Das Stadtarchiv und GeesthachtMuseum haben aber nicht nur regionale Themen aufgegriffen, sondern auch Fragestellungen von aktueller und globaler Bedeutung aufgeworfen. Beispiel sind eine Klimaausstellung sowie Projekte über „Lessing tut Noth!“ und „Unbequeme Denkmäler“. Wissenschaftlich beraten und unterstützt wurden Archiv, Museum und Gestalter dabei immer wieder von weltweit renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und dem Institut für Küstenforschung des heutigen Helmholtz-Zentrums Hereon Geesthacht. Aber auch die Vernetzung vor Ort in Geesthacht wurde vorangetrieben. So ist das Stadtarchiv Geesthacht regelmäßig bei Schulprojekten, Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen beteiligt oder initiativ tätig.

Standorte

Ein erstes Archivmagazin wurde von 1983 bis 1985 in einem Kellerraum im alten Teil des Geesthachter Rathauses eingerichtet.1988 zog das Archivgut in die Räumlichkeiten des neu eingerichteten GeesthachtMuseums um. Damit wurde der engen Zusammenarbeit des Stadtarchivs und dem GeesthachtMuseum Rechnung getragen. Bei der Umgestaltung des Museums in den Jahren 1997 bis 2001 wurden die bisherigen Magazinräume als Ausstellungsräume eingerichtet. Das Archivgut wurde aus diesem Grund vorübergehend im ehemaligen Gebäude des Amtes Geesthacht-Land, einem Nachbargebäude des Rathauses, untergebracht. Mit der Aufgabe der Gaststätte „Geesthachter Ratskeller“ erhielt das Stadtarchiv ein neues Magazin im ehemaligen Lagerraum der Gastwirtschaft. Vor dem Magazin wurde ein Benutzer- und Arbeitsraum eingerichtet.

Das Stadtarchiv steht nach Maßgaben der Archivsatzung vom 14. Februar 2014 der Allgemeinheit für Forschungen zu wissenschaftlichen, heimatkundlichen und genealogischen Zwecken offen. Über die Jahre hat das Archiv eine Vielzahl an Benutzern beraten, Anfragen beantwortet und Forschungsprojekte begleitet: wissenschaftliche Arbeiten von Studentinnen und Studenten (Hausarbeiten, Magister- und Doktorarbeiten), Forschungen für Vereinsjubiläen, Anfragen der eigenen Verwaltung sowie Projekte mit Schulklassen.

Archivfund des Monats

Oktober 2025: Plakat zur Ausstellung »Archiv ohne Mief«

Bild vergrößern: StAGh_best008_nr00438_plakat_IMG_4212 © Dr. Jan Klußmann/Stadtarchiv (2025)
Das Plakat zur Ausstellung »Archiv ohne Mief« zeigt, wie der Schriftzug eine alte Siegelmarke der hamburgischen Ortsvogtei zu sprengen scheint.

Vor 40 Jahren – genauer gesagt am 18. Oktober 1985 - um 17 Uhr wurde das Stadtarchiv Geesthacht eröffnet. Das neue ‚Gedächtnis der Stadt‘ präsentierte sich aus diesem Anlass im Ratssaal mit einer Ausstellung unter dem Motto: „Archiv ohne Mief“. Passend dazu zeigte das Ausstellungsplakat, wie der Schriftzug des Mottos eine alte Siegelmarke der hamburgischen Ortsvogtei zu sprengen schien – Amtsakten und Urkunden sollten aus einstiger obrigkeitlicher Klammer und Geheimhaltung befreit, entdeckt und zum Leben gebracht werden.

Den programmatischen Titel hatte der erste Stadtarchivar, Dr. William Boehart (von 1985 bis 2012 hauptamlich im Archiv), bewusst gewählt. „Archive verwahren nicht nur Geschichte, sie bilden auch die Überlieferung von morgen, liefern authentische Quellen für die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und wirken so an der Kulturarbeit und Zukunftsgestaltung mit. Von Mief und Staub keine Spur“, erklärt Geesthachts heutiger Stadtarchivar Dr. Jan Klußmann.

Bild vergrößern: StAGh_best008_nr00438_foto-85-238 © Stadtarchiv Geesthacht, Bestand VIII Stadtgeschichtliche Sammlung, Nr. 438/Fotograf: Werner Hinzmann
Ein historisches Bild der Ausstellungseröffnung: Es zeigt unter anderem den damaligen Direktor des Landesarchivs Schleswig-Holstein Prof. Dr. Reimer Witt (1. von links), den lauenburgischen Kreisarchivar Dr. Hans-Georg Kaack (2. von links) und den damaligen Geesthachter Bürgermeister Dr. Karsten Ebel (rechts in der Runde) im Gespräch. Nicht alle darauf abgebildeten Personen konnten zugeordnet werden, das Stadtarchiv freut sich über weitere Hinweise.

Zur Archiv- und Ausstellungseröffnung hatte sich damals Prominenz aus Politik und Archivwesen im Geesthachter Ratssaal eingefunden. Ein damals gemachtes Bild, das auch heute noch im Archiv zu finden ist, zeigt unter anderem den damaligen Direktor des Landesarchivs Schleswig-Holstein Prof. Dr. Reimer Witt (Erster von links), den lauenburgischen Kreisarchivar Dr. Hans-Georg Kaack (Zweiter von links) und den damaligen Geesthachter Bürgermeister Dr. Karsten Ebel (rechts in der Runde) im Gespräch. „Dass im Rathaus noch ungezwungen bei der Gelegenheit geraucht wurde, zeigt den Wandel des Zeitgeistes seit damals“, sagt Dr. Jan Klußmann.

Dem offiziellen Archivstart gingen zwei Jahre intensiver Vorbereitung unter Koordinierung von Dr. William Boehart voraus. Dazu gehörte auch die Anlage eines ersten „Archivkatalogs“, eines Findbuches, wie Archivarinnen und Archivare sagen, durch Andrea Grabhorn. Diese Arbeiten erfolgten im Zusammenhang mit der bereits zum 1.1.1985 erfolgten Gründung der Archivgemeinschaft Schwarzenbek, in der sich damals Schwarzenbek, Geesthacht, Lauenburg, Wentorf und das Amt Büchen zusammenfanden - Geesthacht trat 2013/2019 aus, um eine eigene hauptamtliche Archivarsstelle zu schaffen.

„Die Professionalisierung der Archivbetreuung lag im Zug der Zeit. Das öffentliche Interesse an archivalischer Überlieferung war gewachsen“, ordnet Dr. Jan Klußmann ein. Nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch Bürgerinnen und Bürger engagierten sich jetzt privat oder in Geschichtswerkstätten in der historischen Forschung, vor allem über die NS-Zeit. „Andererseits nahm die Sensibilisierung für die Bedeutung des Datenschutzes zu – erinnert sei an die öffentlichen Auseinandersetzungen um die Volkszählung 1987. Diese Entwicklungen führten bundesweit zur Verabschiedung von Archivgesetzen, die seither Archivarbeit und -nutzung regeln und auch Kommunen zum Unterhalt von Archiven verpflichten.“

Für das Stadtarchiv Geesthacht sind das Landesarchivgesetz und die städtische Archivsatzung die Geschäftsgrundlagen. Dem Archiv müssen alle städtischen Unterlagen nach bestimmten Fristen zur Übernahme angeboten werden. Es bildet daraus kontinuierlich die historische Überlieferung, sichert deren Erhaltung und öffentliche Nutzbarmachung. Das Stadtarchiv strebt eine umfassende, multiperspektivisch angelegte Dokumentation der Stadtentwicklung an. Es ergänzt daher amtliches Schriftgut durch die aktive Sammlung von Einzelstücken sowie nichtstädtische Überlieferungen (Nachlässe, Firmenarchive usw.) mit Geesthacht-Bezug.

Das Stadtarchiv Geesthacht, seit 1997 im Rathaus untergebracht und zugleich Heimstatt des Geesthachter Heimatbundes und Geschichtsvereins, verwahrt derzeit rund 400 laufende Meter an Akten, Büchern, Bildquellen und anderen Dokumenten, dazu Großformate wie Karten, Plakate und so weiter. Es dokumentiert vor allem die Zeit ab 1870. Weitere und ältere Quellen sind in Archiven in Hamburg, Lübeck, Ratzeburg (Kreisarchiv) und Schleswig (Landesarchiv) zu finden.

Das Stadtarchiv steht jeder Person zur Nutzung offen.

Text und Bildauswahl: Stadtarchiv Geesthacht/Dr. Jan Klußmann

November 2025: Der erste bekannte Geesthachter – ein Ritter aus dem Nahen Osten?

Bild vergrößern: abb1_HHUB_bearb © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Erwähnung des Ritters de Hachede (rot unterstrichen) im Hamburger Urkundenbuch, Band 1 (1842), Nummer 506: Edition des lateinischen Originaltextes, darunter die Zeugenliste (»Testes sunt: ...« = »Die Zeugen sind: ...«), der Name des Ritters hier als »Jozelinus« gelesen; Datierung: Zwischen 1236 und 1244.

Wer war die erste mit Namen überlieferte Person aus Geesthacht? Die Antwort auf diese Frage stellt die mittelalterliche Geschichte des Ortes, der damals noch Hachede hieß, in ein neues Licht.

Die Frage führt uns in die fremde Welt mittelalterlicher Urkunden. Der erste Personenname findet sich auf einer noch in Latein abgefassten Urkunde eines Ratzeburger Bischofs, von der nur noch eine mittelalterliche Abschrift existiert. Diese Urkunde entstand um das Jahr 1230 und regelte die Versorgung zweier wohl adliger Frauen, die sich als Nonnen von der Bergedorfer Kirche hatten aufnehmen lassen. Geesthachter findet sich in der Reihe der Zeugen am Ende der Urkunde, die für die Rechtmäßigkeit des Dokuments einstanden: Nach den Zeugen aus geistlichem Stand folgten mit den letzten vier Personen adlige Grundherren aus der Region. Sie werden zum Schluss als „milites“ (Ritter) bezeichnet. Unter ihnen stand gleich an zweiter Stelle ein Mann, der je nach Lesart „Zozelinus“ oder „Jozelinus de Hachede“ hieß (= J. von/aus Hachede).

Bislang ging die Ortsgeschichte davon aus, dass Geesthacht von adliger Herrschaft immer frei gewesen sei. Wir haben hier aber einen lokalen Adligen vor uns, der um 1230 in Geesthacht saß und über den Ort geherrscht haben muss. Der Zusatz „de Hachede“ dürfte bereits als adliger, aus dem Stammsitz abgeleiteter Familienname zu lesen sein. Wo aber befand sich dieser Rittersitz? Magnus Prüß erwähnt in seinem Heimatbuch aus dem Jahr 1929 eine heute verschwundene Burg am Schäferberg, also auf der Erhebung oberhalb der heutigen Zentralen Sportanlage. Für diese Burg ist kein Besitzer bekannt, für die Kontrolle über Ort und Landstraße war ihre Lage jedenfalls perfekt.

Bild vergrößern: abb2_sh-ub_bearb © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Erwähnung des Ritters de Hachede (rot unterstrichen) in Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden, Band 1 (1886), Nummer 549: Deutsche Zusammenfassung (sog. Regest) des Urkundeninhalts, darunter die Zeugenliste, der Name des Ritters hier als »Zozelinus« gelesen; Datierung um 1236 (in anderen Arbeiten wird abweichend auch 1228 vorgeschlagen).

Ungewöhnlich ist der Name des Ritters: Zozelinus hieß und heißt kein Mensch. Auch andere vorgeschlagene Lesarten wie Dodelinus scheiden aus. Jozelinus dagegen war im Mittelalter verbreitet. Es ist die lateinisierte Form des altfranzösischen männlichen Vornamens „Joscelin“, der mit den Normannen auch nach England gelangte. Joscelin von Hachede mag als wichtiger Urkundenzeuge um 1230 bereits ein reiferes Alter erlangt haben, dürfte demnach um 1190/1200 geboren worden sein. Damals kam man zu seinem Namen zumeist durch Familientradition oder durch die Taufpaten. Aber wie kam ein französischer Vorname um 1200 an die Elbe? Direkte Beziehungen nach Frankreich gab es kaum.

Aber es war zugleich die Zeit der ersten gemeinsamen europäischen Expansion nach Übersee, die Zeit der Kreuzzüge: Sie waren von Beginn an vom franko-normannischen Adel geprägt. Hier begegnet uns der Name Joscelin an prominenter Stelle: Das französische Adelsgeschlecht Courtenay stellte unter anderem über drei Generationen, von 1118 bis 1200, die Grafen beziehungsweise Titulargrafen von Edessa, einem der Kreuzfahrerstaaten: Sie alle hießen Joscelin (I.-III.).

Am Dritten Kreuzzug (1189-1192) waren unter Kaiser Barbarossa dann auch viele Norddeutsche beteiligt und am sogenannten „Deutschen Kreuzzug“ 1197/1198 nahmen wiederum unter anderem hunderte von Kreuzfahrern aus dem Lübecker Raum teil. Denkbar also, dass unser „Jozelinus“ im Heiligen Land als Sohn eines dieser Kreuzfahrer geboren wurde, und seinen exotischen Vornamen einem französischen oder normannischen Taufpaten verdankte. Oder vielleicht war seine Mutter von entsprechender Herkunft und führte im Namen ihres Sohnes ihre Familientraditionen fort. Irgendwann später muss dann Joscelin nach Geesthacht, dem mutmaßlichen väterlichen Heimatort, zurückgekehrt sein.

Wir wissen sonst nichts über ihn. Klar ist nur, dass die Ortsherrschaft seiner Familie spätestens nach 1300 endete. Denn zu jenem Zeitpunkt befand sich Hachede bereits im unmittelbaren Besitz der lauenburgischen Herzöge. Vielleicht ist unser Joscelin verwandt mit den nach 1300 in Hamburg und anderen Städten der Region nachweisbaren Patrizierfamilien de Hachede. War seine Familie also erneut ausgewandert? Als „von Hacht“ lebt der Familienname jedenfalls bis heute auch in Geesthacht weiter.

Text und Bildauswahl: Stadtarchiv Geesthacht/Dr. Jan Klußmann

Dezember 2025: Einladungsschreiben zur Eröffnung des Städtischen Krankenhauses

Bild vergrößern: abb6_kh_fertig © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Foto-Postkarte des Städtischen Krankenhauses, vermutlich Frühjahr 1952 oder 1953, Fotograf: keine Angabe (Stadtarchiv a.a.O.)

Aktuell ist die Zukunft des Geesthachter Krankenhauses erneut ungewiss, ein zentrales Element der kommunalen Daseinsvorsorge damit gefährdet. Anlass genug, an die schwierigen Anfänge jener Einrichtung und an die Leistung zu erinnern, die die Gründung des Krankenhauses in der schwierigen Nachkriegssituation bedeutete.

Das rasch gewachsene Geesthacht hatte schon vor dem Krieg keine adäquate Gesundheitsversorgung mehr. Der rasante Anstieg der Einwohnerzahl durch Flüchtlinge und hiergebliebene wohnungslose Ausgebombte verstärkte den Druck ab 1945 enorm. Doch erst nach langen Verhandlungen ab 1947 genehmigten Land und Kreis 1950 den Bau eines eigenen Krankenhauses.

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Einladung zur Einweihung des Städtischen Krankenhauses am 24.11.1951, A6-Format, hg. von der Stadt Geesthacht, Urheber: keine Angabe (Stadtarchiv Geesthacht, Bestand VIII, Nr. 360)

Ein Archivfund im Sammlungsbestand zeigt, welcher Stolz damit verbunden war. Der Sammlungsbestand des Stadtarchivs ist eine besondere Schatzgrube. Er enthält Schriftstücke und Objekte verschiedenster Art, die nicht zur amtlichen Aktenüberlieferung gehören. Ein besonderes Kleinod verbirgt sich hinter der Nr. 360 „Bau und Eröffnung des Städtischen Krankenhauses“. Darin enthalten ist ein Belegstück der Einladung zur Einweihungsfeier am 24. November 1951. Nicht etwa ein schlichtes Einladungsschreiben, sondern ein elegantes, mit viel Aufwand gestaltetes kleines Heft im Postkartenformat! Neben Einladung und Programm enthält es auf 7 Seiten Fotos vom Neubau, Grundrisse aller Geschosse und einen Lageplan. Das archivalische Schmuckstück wird hier in voller Länge gezeigt. Die in städtischem Auftrag handelnden Urheber wurden leider nicht genannt.

Bild vergrößern: abb5_grundstein1950 © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Foto der Grundsteinlegung im Juli 1950, Fotograf: nicht genannt - Der Fotograf war vielleicht Werner Hinzmann; ein weiterer Abzug des Fotos ist in seinem im Archiv verwahrten Fotobestand nachweisbar (I B 17/274). Hinweise zu den abgebildeten Personen nimmt das Stadtarchiv gern entgegen.

Die Nr. 360 enthält auch knapp 30 Fotos vom Baugeschehen und von der feierlichen Grundsteinlegung im Juli 1950 mit einigen Dutzend Teilnehmern. Daraus hier ein Foto, zeittypisch im kleinen "14 mal 9"-Zentimeter-Abzug mit Postkartenformular auf der Rückseite. „Man“ trägt noch Hut – und Trenchcoat. Tatsächlich war es eine männlich dominierte Veranstaltung, es sind nur zwei Frauen zu sehen, auch diese mit bedecktem Kopf. Eine weitere Fotopostkarte zeigt das Krankenhaus bald nach der Fertigstellung.

1951 war Geesthacht noch Notstandsgebiet gewesen, auch das Land Schleswig-Holstein musste eigentlich Betten einsparen. Dennoch gelang es der Stadt mit ihrem ersten langjährigen Nachkriegs-Bürgermeister Carl Bung, Landesmittel zu akquirieren. Das neue Haus mit damals 150 Betten, 35 Schwestern und 6 Ärzten versorgte nun den gesamten Südteil des Kreises Herzogtum Lauenburg und auch die niedersächsischen Nachbargemeinden.

30 Jahre später wurde der Bau, nunmehr in Trägerschaft der Johanniter, durch einen Neubau ersetzt. Auch diese Neueinweihung 1986 wurde aufwändig begangen, wie eine weitere Mappe in der Sammlung des Stadtarchivs dokumentiert. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.

Bild vergrößern: einlad_2 © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Einladung zur Einweihung des Städtischen Krankenhauses am 24.11.1951, A6-Format, hg. von der Stadt Geesthacht, Urheber: keine Angabe (Stadtarchiv Geesthacht, Bestand VIII, Nr. 360)
Bild vergrößern: einlad_3 © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Einladung zur Einweihung des Städtischen Krankenhauses am 24.11.1951, A6-Format, hg. von der Stadt Geesthacht, Urheber: keine Angabe (Stadtarchiv Geesthacht, Bestand VIII, Nr. 360)
Bild vergrößern: einlad_4 © Stadtarchiv Geesthacht - Dr. Jan Klußmann
Einladung zur Einweihung des Städtischen Krankenhauses am 24.11.1951, A6-Format, hg. von der Stadt Geesthacht, Urheber: keine Angabe (Stadtarchiv Geesthacht, Bestand VIII, Nr. 360)

Text/Bildauswahl: Dr. Jan Klußmann/Stadtarchiv