Verkehrsminister Madsen in Geesthacht: "Wir wollen die Schienenanbindung unbedingt"
„Es ist fatal, dass eine Kommune in der Größe Geesthachts keine Bahnanbindung hat“, betonte Claus Ruhe Madsen (CDU) kurz nachdem er es sich in der „Wartehalle“ des Geesthachter Alten Bahnhofs niedergelassen hatte. Die Räume, die heute als Jugendzentrum genutzt werden, waren eine Station seiner Sommertour, auf der Schleswig-Holsteins Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus verschiedene Regionen des Landes bereist.
„Die Bahnanbindung Geesthachts an Hamburg ist für uns sehr wichtig. Denn Hamburg spielt im Alltag vieler Einwohnerinnen und Einwohner eine große Rolle: Sie pendeln dorthin zu ihrem Arbeitsplatz und verbringen Teile ihrer Freizeit dort. Und auch für Geesthachter Unternehmen ist eine Schienenanbindung ein echter Standortfaktor“, hebt Geesthachts Erste Stadträtin Melanie Grimm-Meyer hervor, die in Vertretung von Bürgermeister Olaf Schulze an dem Ministerbesuch teilnahm.
Zum Stand des Verfahrens: Die Reaktivierung der Bahntrasse zwischen Geesthacht und Hamburg beschäftigt Geesthacht seit Jahrzehnten. Das Projekt ist im Landesverkehrsplan Schleswig-Holsteins in die Kategorie „ab 2027“ einsortiert. 2020 wies eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der bestehenden, rund 14 Kilometer langen Bahntrasse, die auch in einer Bürgerinformation im kleinen Theater Schillerstraße vorgestellt wurde, gleich mehrere Varianten als umsetzbar aus.
Untersucht wurden in dem Papier, das im Auftrag der NAH.SH (Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein) erstellt wurde, eine Nutzung der Gleise per Städtischem Bahnsystem oder per Eisenbahn. Die Studienmacher (Ingenieurgesellschaft für Verkehr- und Eisenbahnwesen in Hannover) kamen zu dem Ergebnis, dass beides auf den Schienen, die derzeit nur vom Museumszug Karoline und für Güterverkehr genutzt werden, möglich wäre. Das Fazit der Experten: Die Anbindung von Bergedorf kann als Zwischenstufe bis zu einem Realisierungszeitpunkt der Durchbindung nach Hamburg Hauptbahnhof vorgezogen werden. Denn: Die Schienen liegen auf Schleswig-Holsteinischem und Hamburger Gebiet. Beide Länder müssen sich demnach für eine Reaktivierung der Trasse einigen – und der kostenintensivere Teil des Projekts liegt unter anderem angesichts der notwendiger Straßenquerungen wohl auf Hamburger Seite. Claus Ruhe Madsen machte bei seinem jetzigen Geesthacht-Besuch deutlich: „Für uns ist die Reaktivierung ein wichtiges Projekt und wir setzen uns gegenüber Hamburg weiter dafür ein.“
Nach der bereits durchgeführten Machbarkeitsstudie wäre die Vorplanung der nächste konkrete Schritt in Richtung Umsetzung des Projekts – und diese wurde 2025 angekündigt. Schleswig-Holstein und Hamburg berichteten, eine Ländervereinbarung schließen zu wollen. Mit dieser Ländervereinbarung sollten Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro freigegeben werden, mit denen die AKN Eisenbahn GmbH (Kaltenkirchen) die Vorplanung für die Strecke starten könnte. „Wir haben die Ländervereinbarung unterschrieben, Hamburg noch nicht. Es laufen aber enge Gespräche dazu – und man muss fairerweise auch sagen: Bei uns steht die Bahnverbindung Geesthacht-Hamburg in der Prioritätenliste weiter oben als in Hamburg. Dort gibt es noch sehr viele andere große Verkehrsthemen“, ordnete Claus Ruhe Madsen ein. Er schlug vor Verkehrssenator Dr. Anjes Tjark zu einem Vor-Ort-Termin an den Alten Bahnhof in Geesthacht einzuladen, um das Thema einmal mehr zu platzieren. „Wir sind bereit, wir wollen die Schienenanbindung unbedingt. Aber wir brauchen für die Detailplanung die Unterschrift aus Hamburg“, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Madsen.