Eichenprozessionsspinner: Extremes Vorkommen in Geesthacht
Hautreizungen, Luftnot, Reizungen der Augen und Halsschmerzen: Wer mit den feinen Härchen des Eichenprozessionsspinners in Berührung kommt, kann äußerst unangenehme Symptome erleiden. Seit Jahren macht die Stadtverwaltung Geesthacht im Mai und Juni auf das saisonbedingte Vorkommen der Raupen aufmerksam, warnt vor dem Kontakt mit den Härchen und bittet um die Meldung von Nestern – so geschehen auch dieses Jahr. Und ebenso wie in einer Vielzahl von Kommunen bundesweit muss auch die Geesthachter Stadtverwaltung feststellen: Das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners ist dieses Jahr extrem hoch.
„Bei jedem Nest, das wir entfernen, entdecken wir mehrere neue“, meldet Maria Müller vom Fachdienst Umwelt der Geesthachter Stadtverwaltung ein „besonders extremes Vorkommen“. Gesichtet wurden beispielsweise Nester im Hochzeitswald, auf dem Elbewanderweg zwischen Geesthacht und Grünhof-Tesperhude, im Bereich Tapplock und Grüner Jäger sowie auf der Schleuseninsel. „Normalerweise schauen wir uns jedes Nest an, das uns auf öffentlichem Grund gemeldet wird, und entscheiden dann, ob der Baum abgesperrt oder das Nest von Spezialfirmen entfernt wird. Zudem haben wir ein Kataster, in dem die Vorkommen der vergangenen Jahre festgehalten sind. Bäume, die früher schon für den Eichenprozessionsspinner interessant waren, kontrollieren wir regelmäßig während der Saison“, skizziert Maria Müller das grundsätzliche Vorgehen. „Dieses Jahr haben wir so viele Meldungen, dass wir mit dem Kontrollieren kaum hinterherkommen. Wir nehmen alle Meldungen auf, müssen dann aber priorisieren. Derzeit werden darum nur in besonders sensiblen Bereichen - also beispielsweise in der Nähe von Schulen und Kindergärten – Nester umgehend entfernt. In den anderen Bereichen sperren wir soweit wie möglich ab und/oder stellen Warnschilder auf.“
Die Stadtverwaltung bittet aufgrund des hohen Vorkommens der Raupen derzeit um besondere Aufmerksamkeit im Freien. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners kommen ausschließlich auf Eichen vor. Wer sicher gehen möchte, sollte insbesondere bei trockenem und windigem Wetter Eichen-Alleen und -Baumgruppen bis Ende Juni eher meiden. Denn eine Verwehung der Haare ist dann auch ohne direkten Kontakt mit den Raupen oder Nestern möglich. „Bis Ende Juni sind fast alle Raupen verpuppt beziehungsweise bereits als Falter geschlüpft. Dann ist das Risiko mit den feinen Gifthärchen der Raupen in Kontakt zu kommen sehr viel geringer als jetzt. Die Nester dann aber bitte weiterhin nicht berühren, an ihnen können noch Härchen haften“, erklärt Maria Müller.
Zur Einordnung: Die feinen Brennhaare der Raupen schützen diese vor Fressfeinden, können aber beim Menschen und bei Haustieren Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen - und zwar vor allem bei direktem Kontakt mit den Raupen oder Nestern. Bei sehr empfindlichen Menschen sind Reaktionen jedoch auch bei Kontakt mit abgebrochenen, verwehten Haaren nicht gänzlich auszuschließen.
Das erste Mal sind die Raupen 2011 in Geesthacht entdeckt worden. Die Geesthachter Stadtverwaltung reagierte rasch mit Aufklärung: Offensiv wurden Kitas, Schulen und Ärzte über das Vorkommen informiert. Für die Bürgerinnen und Bürger wurde ein Flyer entwickelt, der verteilt wurde und noch immer unter www.geesthacht.de abrufbar ist. Darin ist unter anderem nachzulesen, woran Eichenprozessionsspinner zu erkennen sind und inwieweit der Kontakt mit den Raupen oder deren Nestern zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann – dieses ist übrigens das ganze Jahr über möglich:
• während der Fraßzeit der Raupen, wenn ab ca. Ende Mai/Anfang Juni (je nach Witterungsverlauf) die Gifthaare ausgebildet werden;
• während des übrigen Zeitraums durch Kontakt mit den Gespinstnestern, die Gifthaare enthalten. Ältere Nester können zum Beispiel bei starkem Wind von den Bäumen geweht werden. Die Wirkdauer der Gifthaare beträgt 5 bis 10 Jahre.
Nach einem Kontakt mit den Haaren der Eichenprozessionsspinner-Raupen gibt es sehr unterschiedliche Symptome. Direkter oder indirekter Kontakt mit den Haaren verursacht mehr oder weniger schnell eine Reizung der Haut und der Schleimhäute. Der aus den Gifthaaren freigesetzte Giftstoff löst bei Kontakt pseudoallergische Reaktionen aus wie juckende, entzündliche Hautausschläge, Quaddeln und Bläschen vor allem im Gesicht, am Hals und in den Ellenbogenbeugen, Entzündungen der Augenbindehaut, Reizungen im Rachenbereich mit Halsschmerzen und in den oberen Luftwegen mit Husten; in seltenen Fällen mit asthmatischen Beschwerden. „Wer Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner hatte, sollte duschen, Haare waschen und die Augen mit Wasser ausspülen, rät Dirk Pretzsch vom Geesthachter Fachdienst Umwelt. Die betroffene Kleidung sollte bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Sollten heftigere Reaktionen auftreten, sind auch die Ärzte der Stadt entsprechend sensibilisiert und vorbereitet.“
Häufig gestellte Fragen zum Eichenprozessionsspinner hat die Stadtverwaltung Geesthacht auf einer Sonderseite der städtischen Website www.geesthacht.de zusammengestellt. Nester können weiterhin unter umwelt@geesthacht.de gemeldet werden. Den Handlungsbedarf an Nestern auf öffentlichem Grund priorisiert die Stadtverwaltung. Wer Nester des Eichenprozessionsspinners im eigenen Garten entdeckt, ist für eine gegebebenfalls erforderliche Beseitigung oder die Gefahren, die davon ausgehen können, selbst verantwortlich.