Mut zur Wildnis: Fachdienst Umwelt ruft zum „Mähfreien Mai“ auf
Im Mai bleiben die Rasenmäher in Geesthacht vielerorts im Schuppen – wenn es nach dem Fachdienst Umwelt der Geesthachter Stadtverwaltung geht. Denn das Rathaus ruft alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich an der Aktion„Mähfreier Mai“ zu beteiligen. Ziel der Initiative, die auf politischen Beschluss umgesetzt wird, ist es, Gartenbesitzerinnen und -besitzer dafür zu sensibilisieren, wie wertvoll bereits kleine, ungestörte Grünflächen für unsere heimische Insektenwelt sind.
Warum ein mähfreier Monat?
Nach dem Winter benötigen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge dringend Energie in Form von Nektar und Pollen. Ein kurz getrimmter Rasen gleicht jedoch einer „grünen Wüste“ ohne Nahrungsangebot. Werden die Flächen im Mai nicht gemäht, können Kräuter wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Klee und Ehrenpreis blühen. Sie liefern wichtige Nahrung, die so früh im Jahr ohnehin noch rar ist.
„Schon dieser Verzicht auf den perfekten Rasenschnitt hat eine enorme Wirkung“, erklärt der Fachdienst Umwelt. „Durch das Stehenlassen der Gräser und Blumen schaffen wir wertvolle Trittsteinbiotope im Stadtgebiet. Insekten, die geschwächt aus der monatelangen Winterstarre erwachen, finden hier Nahrung und Schutz. Viele Menschen ahnen gar nicht, welches Potential in ihrem Rasen steckt.“
Auch dem selten gewordenen Igel ist mit der Aktion geholfen. Er ernährt sich von den Insekten, die auf den wilderen Flächen leben. Ein wichtiger Nebeneffekt: Wer den Mäher stehen lässt, schützt den Igel direkt. Besonders Mähroboter ohne spezielle Sicherheitstechnik stellen eine ernsthafte Gefahr für die Tiere dar, da deren Klingen oft schwere Verletzungen verursachen – insbesondere, wenn die Geräte nachts laufen.
Mitmachen ist einfach
Die Teilnahme erfordert keinen Aufwand – im Gegenteil, sie spart Zeit und Arbeit. Einfach den Rasenmäher einen Monat stehen lassen.
Wenn der komplette Verzicht keine Option darstellt, ist das Stehenlassen von „Blühinseln“ ein guter Kompromiss. Ein wilder Garten muss dabei nicht ungeordnet wirken: Kreative Formen wie Ovale oder Labyrinthe machen wilde Flächen zum echten Hingucker. Schon vier Quadratmeter heimische Wildpflanzen bieten Schleswig-Holsteins Insekten eine lebenswichtige Oase, während der restliche Garten wie gewohnt genutzt werden kann.
Vorbildfunktion: Diese städtischen Flächen sind Teil der Aktion
Die Stadt Geesthacht geht mit gutem Beispiel voran und beteiligt sich dieses Jahr erstmals ausdrücklich an der Aktion „Mähfreier Mai“. Auf ausgewählten städtischen Grünflächen wird das Mahd-Regime bereits seit Längerem angepasst, um die ökologische Vielfalt im Stadtbild zu erhöhen. „Wir möchten zeigen, dass gepflegte Anlagen und Naturschutz kein Widerspruch sind“, so der Fachdienst Umwelt.
Wichtig zu wissen: Aus Gründen der Verkehrssicherheit, Nutzbarkeit und Pflege kann nicht auf allen städtischen Flächen vollständig aufs Mähen verzichtet werden.
Besondere Flächenregelungen im Mai 2026:
- Hochzeitswald: Die Rasenflächen werden im Mai nicht gemäht. Lediglich die Fußwege werden gepflegt, um die Zugänglichkeit für Besucherinnen und Besucher sicherzustellen.
- Am Drachensteiger: Hier erfolgt ausschließlich ein Schnitt mit dem Freischneider an den Kanten der Grünflächen.
- Hude-Hof und Teich: Es findet lediglich eine Pflege der Wege rund um den Teich Westerheese statt; die Grünflächen bleiben ungemäht.
- Menzer-Werft-Platz/Uferpark: Auch hier beschränkt sich die Pflege auf notwendige Wegeunterhaltung, die großen Grünflächen bleiben ungemäht.
Auch weitere, kleinere Flächen werden im Mai bewusst stehen gelassen.
Teilen Sie mit uns ihre wilden Wiesen
Die Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, Fotos ihrer „Mai-Wiesen“ unter dem entsprechenden Beitrag auf den Instagram- und Facebook-Seiten der Stadt Geesthacht zu posten oder die Fotos an veranstaltungen@geesthacht.de zu mailen. Eine Sammlung der eingereichten Bilder werden dann auf Social-Media, der kostenfreien GeesthachtApp und auf dieser Website veröffentlicht.
Tipps für die Zeit nach dem Mai:
„Damit der Effekt nicht sofort verpufft, wäre es schön, wenn beim ersten Schnitt im Juni die Schnitthöhe nicht zu niedrig angesetzt wird. Ideal sind 8 bis 10 Zentimeter. Außerdem wäre es gut, das Schnittgut ein paar Tage liegen zu lassen, damit Insekten Zeit haben, abzuwandern. Noch besser wäre es natürlich den Rasen auch nach dem Mai nur abschnittsweise zu mähen – so stehen zu jeder Zeit wertvolle Refugien zur Verfügung. Sogar im Winter ist das sinnvoll, denn in den Stängeln überwintern Insekten, Puppen und Eier und warten auf den nächsten Frühling“, heißt es dazu aus dem Geesthachter Fachdienst Umwelt.