Wir haben Biber, den Geesthang, die Elbe – und „Eisberge“
Liebe Geesthachterinnen und Geesthachter,
wir haben Biber, den Geesthang, die Elbe – und „Eisberge“. Seit Wochen ist unsere Stadt besonders stark in den Medien präsent, wegen des Naturschauspiels an der Elbinsel. Nationale und internationale Filmteams sind vor Ort gewesen, sowie Radiosender und Printmedien. Tausende Besucherinnen und Besucher zog es bereits an die Elbe und so lange die Minustemperaturen anhalten, werden die Eisschollen nahe des Wehrs wohl auch weiterhin Interessierte anziehen. Sogar Polarforscher der Technischen Universität Hamburg haben sich „unsere Eisberge“ genauer angeschaut und Untersuchungen vor Ort durchgeführt.
Es ist toll zu sehen, dass sich so viele Personen für unsere Eislandschaft begeistern können und extra anreisen, um sich vor Ort selber einen Blick von den Kräften der Natur zu machen. Wichtig sind mir dazu zwei Hinweise:
- Seien Sie vorsichtig, wenn Sie sich auf den Weg zu den Eisbergen machen. Die Wege und Straßen auf der Elbinsel können zum Teil sehr rutschig sein. Wer unachtsam ist, kann an den Eisschollen vom Wasser überrascht werden, denn die Elbe unterliegt Ebbe und Flut. Und gehen Sie bitte sensibel mit den schützenswerten Pflanzen und Tieren auf der Elbinsel um – Sie befinden sich dort in einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet.
- Geesthacht ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert! Gäste und Einheimische sind immer willkommen, die Natur mit Geesthang und Elbe zu genießen oder eine unserer vielen kulturellen Veranstaltungen zu besuchen – ganz unabhängig von Eisschauspielen. Entdecken Sie Geesthacht (neu)!
Gerne möchte ich diese Stelle auch nochmal nutzen, um für etwas Verständnis zu werben. In den vergangenen Tagen und Wochen wurde viel über das Naturschauspiel an der Elbe gesprochen – und es stehen viele Meinungen dazu im Raum. Manche meinen, die Stadt Geesthacht habe zu früh die Zugänge zur Elbinsel für den motorisierten Verkehr abgesperrt. Andere sagen, die Stadt Geesthacht sollte schnellstmöglich die Elbinsel komplett für Besucherinnen und Besucher sperren – zu groß seien die Gefahren und die Auswirkungen der Menschenströme auf den Straßenverkehr. Die Einen sagen, die Stadt Geesthacht hat zu wenig touristische Angebote im Umfeld der Elbinsel geschaffen – Glühweinstände direkt am Elbufer wären eine gute Idee… Andere wiederum meinen, dass ohnehin schon viel zu viele Besucherinnen und Besucher auf der Elbinsel vor Ort seien, die Pflanzen und Tieren dort schaden würden… Es gibt viele Meinungen zum aktuellen „Eisvergnügen“ nahe des Wehrs. Die Stadtverwaltung muss all diese Positionen abwägen, Risiken einschätzen und minimieren. Gleichzeitig gilt es, im Rahmen des Möglichen, das Naturschauspiel erlebbar zu machen und sich dabei mit dem Kreis Herzogtum Lauenburg, der Polizei, dem Wasser- und Schifffahrtsamt sowie weiteren Beteiligten abzustimmen.
Wir haben uns entschieden, die Zugänge zur Elbinsel für den motorisierten Verkehr abzusperren. Nach mehreren Tagen, in denen wir die Situation vor Ort beobachtet hatten, war klar, dass nur so die Rettungswege freigehalten werden können. Wir appellieren an die Besucherinnen und Besucher, dass sie zu Fuß an die Elbinsel kommen mögen, und weisen zudem auf mögliche Risiken sowie Verhaltensregeln hin. Jede Person betritt die Elbinsel auf eigene Gefahr. Glühweinverkauf und Co. werden von Seiten der Stadt nicht auf der Elbinsel genehmigt und auch nicht organisiert. Das Gelände ist ein Schutzgebiet. Die aktuellen Besuchermengen werden dort aktuell geduldet, aber für Pflanzen und Tiere wären sicher weniger Besucherinnen und Besucher besser…. Noch mehr Belebung vor Ort wollen wir nicht schüren. Zudem gilt es die Nähe zur Bundesstraße und zum Wehr zu beachten. Darum sind wir auch mit den Werbemaßnahmen vor Ort zurückhaltend. Besucherinnen und Besuchern wird vor Ort durch Schilder der Weg zum Elbufer gezeigt. Aufsteller mit QR-Codes verweisen darauf, was Geesthacht sonst noch zu bieten hat. Und Mitarbeitende unseres Außendienstes schreiben nicht nur Falschparkende auf, sondern helfen Interessierten auch mit Infos darüber, wo sie sich in der Geesthachter Innenstadt aufwärmen können. Täglich schauen wir uns die Situation an der Elbinsel an und wägen ab, ob zusätzliche Schritte von Seiten der Stadtverwaltung möglich und nötig sind.
Ich bin gespannt, wie lange uns dieses große (Medien)Interesse und die Eisberge erhalten bleiben. Es ist für alle eine spannende Zeit.
Ihr Bürgermeister
Olaf Schulze
(erschienen am 7. Februar 2026 im Wochenend-Anzeiger)