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Reise zum traditionellen Herbstmarkt "Herzog Jakob" in Kuldiga, 04. - 07.10.2019

Freitag, 04.10.2019:

Unsere Reise beginnt! 16 Personen machen sich auf den Weg in unsere Partnerstadt Kuldiga in Lettland. Zwei von ihnen sind schon am Mittwoch mit der Fähre losgefahren, um unsere Handelswaren mit dem Auto zu transportieren – denn wir sind eingeladen worden, auf dem „Herzog Jakob-Markt“ kulinarische Leckereien aus Deutschland zu verkaufen.

Für unsere Partnerschaft Kuldiga handelt es sich um ein von der EU gefördertes Projekt mit kulturellem Hintergrund.

Die Anreise verläuft nach Plan. Wir werden von unserer Freundin Tereza am Flughafen in Riga in Empfang genommen. Mit dem Bus erreichen wir nach zwei Stunden Kuldiga.

Wer möchte, kann sich vor dem Abendessen noch ein bisschen die Beine vertreten. Um 18 Uhr treffen wir uns in einem wunderbaren Restaurant mit Blick auf die Ventas rumba, den breitesten Wasserfall Europas. Mit Glück sind dort im Herbst und im Frühling fliegende Fische zu sehen.  

Unser Abendessen wird von einem Gesangs- und Klavierduo mit lettischen Chansons begleitet. Die junge Sängerin war einst Mitglied im Cantus-Chor. Dieser Mädchenchor hat viele Jahre lang auch in Geesthacht (während der Weihnachtszeit) sein Können zum Besten gegeben. Nach der Begrüßung durch Inga Berzina, Kuldigas Bürgermeisterin, sagen Samuel Walter Bauer, unser Bürgervorsteher und ich einige Dankesworte. Wir übergeben unsere Gastgeschenke. Genau wie in Plaisir (siehe Reisebericht), sorgt „Kerstins Kochbuch“ auch hier für Begeisterung! Zusätzlich haben wir eine kleine Holzstatue als Geschenk dabei. Ihre Botschaft: Zwei, die sich gut verstehen und ähnliche Interessen haben, sind „aus einem Holz geschnitzt“. So hat eine Bildhauerin in einem Stück Holz das Wappen Kuldigas und das Wappen Geesthachts vereint – ein schönes Symbol für unsere deutsch-lettische Freundschaft.

Verständigungsschwierigkeiten haben wir keine. Lettin Kristine Froh lebt seit 19 Jahren in Deutschland und dolmetscht hervorragend! Sie hat sich vor einigen Jahren mit mir aus Interesse an der Städtepartnerschaft in Verbindung gesetzt und seitdem auch schon lettische Gäste der Stadt bei sich beherbergt. Ich freue mich sehr über ihre herzliche Unterstützung. Vielen Dank!

Samstag, 05.10.2019:

Wir richten unseren Stand auf dem traditionellen Herbstmarkt her. Blauer Himmel, Sonnenschein, 0 Grad. Ganz Kuldiga ist auf den Beinen. Die ersten Tourist*innen aus allen Regionen Lettlands beobachten das Geschehen.

Zwischen den Arbeiten einheimischer Handwerkskunst, verschiedener Bauernkost, Musikdarbietungen und den kulinarischen Künsten einheimischer Köchinnen, bietet unsere Geesthachter Delegation in einheitlichen Outfits Leckereien aus Deutschland an. Mit Christstollen, Lübecker Marzipan, selbstgemachten Marmeladen, Spekulatius, Haribo-Konfekt und Lakritz „locken“ wir die Einheimischen an unseren Stand. Es wird bezahlt, was man möchte, der Erlös kommt in Kuldiga einem guten Zweck zugute. Wir freuen uns, dass auffallend viele lettische Menschen gute Deutschkenntnisse haben und sich für unsere städtepartnerschaftliche Arbeit interessieren.

Neben unserem Stand backen unsere Freundin Dace und andere Vertreterinnen der Stadtverwaltung Kuldiga frische Kartoffelpuffer. Der leckere Duft steigt uns allen in die Nase und auch wir stellen uns in der meterlangen Warteschlange an, um die Kartoffelpfannkuchen zu probieren. Mmh, lecker!

Bei einem Rundgang probiere ich ein lettisches Nationalgericht: graue Erbsen mit Speck und Zwiebeln. Es schmeckt mir ausgesprochen gut. Ich nehme mir gleich zwei Packungen dieser besonderen Erbsensorte mit nach Hause.

Am Nachmittag werden wir gebeten, einige Grußworte von der Bühne an die Zuschauenden zu richten. Kristine übersetzt. Das Publikum ist erfreut.

Kerstin, Kristine und ich treffen uns im Jugendzentrum Kuldigas mit der lettischen Lehrerin der Jugendmusikgruppe, die im Dezember beim Weihnachtsmarkt zugunsten Partnerschaft Afrika e.V. in der Berliner Sporthalle auftreten wird. Wir besprechen den Ablauf des Besuches und bekommen einige Kostproben ihres Könnens zu hören. Zum Elbfest 2018 ist Geesthacht bereits das erste Mal in den Genuss gekommen, diesen jungen Menschen beim Musizieren zu lauschen.

Bei einem gemütlichen Abendessen im Hotel lassen wir einen wunderbaren, aber auch anstrengenden Tag ausklingen.

 

Sonntag, 06.10.2019:

Uns erwartet ein reichhaltiges Kulturprogramm. Wir beginnen mit einer Führung durch den „Nadelturm“ Kuldigas. Es handelt sich um ein kleines Museum, ein neues Kulturtourismusobjekt, das die Geschichte der Fabrik erzählt, die in den vergangenen zwei Jahrhunderten verschiedene Nadelsorten hergestellt hat: Näh- und Stricknadeln, Nähmaschinennadeln, z.B. für die Singer-Nähmaschinen, Tonträger-Nadeln, Funk-Nadeln, Nadeln für Spritzen usw.

Über 80.000 Nadeln pro Tag wurden dort gefertigt und weltweit vertrieben.

 

Weiter geht es mit dem Bus in das etwa 25 km entfernte Padure. Uns erwartet ein „Töpfer-Workshop“. Die lettische Künstlerin Madara Atike erklärt uns, auf welche Weise sie den Ton brennt. Nur wenige Male im Jahr entfacht sie das Feuer in ihrem Ofen und brennt bei 1200 Grad drei Tage lang die mit viel Liebe kreierten Teller, Becher, Vasen, Schalen usw. Es handelt sich um eine ganz besondere, historische Art, das Material zu brennen. Der Ton wird schwarz. Wer interessiert ist, kann die Waren der äußerst sympathischen Künstlerin auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt bewundern und erwerben. Der Stand wird leicht zu erkennen sein: ihre Waren sind überwiegend schwarz. Zudem, so erzählt sie es uns, trägt sie immer ein Lächeln auf den Lippen. Das sei Voraussetzung für gut gelingende Arbeiten! Mit einem Lächeln im Gesicht dürfen auch wir dann noch unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen und aus Ton einige Kunstwerke formen. Wir können sie uns dann im nächsten Jahr dort wieder abholenJ

Der Bus bringt uns weiter. Es erwartet uns ein besonderes Highlight. Wir werden mit der kulturhistorischen Ausstellung von Basi und den Suiti-Traditionen bekannt gemacht. Suiti ist der Name einer katholischen Minderheit im sonst eher protestantisch oder orthodox geprägten Lettland. Vier Damen in Tracht erwarten uns mit „Suiti-Gesängen“. Bei selbstgebackenen Piroggen, Kümmelbrot und leckeren Quarkkuchen-Ecken dürfen wir einer nachgespielten Hochzeitszeremonie zuschauen. Noemi und Samuel Walter Bauer

werden als Brautpaar ausgewählt und auf suitische Weise miteinander verheiratet. Mir wird dieses „Spektakel“ immer in interessanter und lustiger Erinnerung bleiben.

Das Abendessen genießen wir im „Edoles Pils“. Das in 14 Generationen geführte Schloss dient heute als Museum, Restaurant und Hotel. Es lockt mit seinem reichen Erbe, wie auch Legenden und Mythen. Es handelt sich um ein historisches Gebäude und ist das einzige Schloss des Bistum Kurland, dass noch immer bewohnt ist. Die Architektur ist einzigartig, die Geschichte mindestens 750 Jahre alt.

Das Angebot unserer Gastgeberin nach diesem wunderbar interessanten Tag noch das neue Schwimmbad in Kuldiga nutzen zu dürfen, lehnen wir alle dankend ab.

 

Montag, 07.10.2019:

Wir werden um 10 Uhr im Hotel abgeholt. Bei einem kleinen Stadtrundgang – dieses mal leider im Regen – haben wir Gelegenheit in einem Bio-Laden noch einige landestypische, kulinarische Mitbringsel zu erwerben.

Wir besichtigen die Bücherei und die neue Kunsthalle, in der beeindruckende Werke örtlicher Künstler*innen jeden Alters ausgestellt werden.

Im Anschluss wird uns ein weiteres neues Projekt vorgestellt – das „Kuldiga Restauration Center“:

Räumlichkeiten, in denen die Menschen Kuldigas in Eigenarbeit die Fenster und Türen ihrer Häuser restaurieren können. Das Werkzeug dafür wird kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vier Mitarbeiter*innen stehen beratend zur Seite, zusätzlich liefern Videofilme wesentliche Informationen. Pro Jahr können diese Arbeiten pro Haus mit bis zu 30.000 Euro gefördert werden – immer das Doppelte von dem, was die restaurierende Person selbst investiert. Wichtig dabei ist, dass die Restauration auf eine alt herkömmliche, historische Art und in Eigenarbeit erfolgt.

Im Anschluss machen wir uns auf den Weg ins Rathaus. Im Ratssaal werden uns einige der Mitarbeitenden vorgestellt. Wir lassen unseren Aufenthalt noch mal Revue passieren. Er war rundum gelungen, interessant, beeindruckend. Wir haben dazu gelernt und viele neue Eindrücke gewonnen.

Bevor es zurück zum Flughafen geht, bekommen wir in einem neuen Restaurant und gleichzeitig einer Kaffee-Rösterei ein fürstliches Abschiedsessen serviert. Krönender Abschluss ist das riesige Stück Schokoladen-Mousse-Torte. Wir alle reisen sicher mit ein bisschen Hüftgold mehr auf den Rippen zurück nach Deutschland.

Mir hat die Reise ausgesprochen gut gefallen und ich freue mich jetzt schon, am ersten Adventswochenende 15 unserer lettischen Freund*innen in Geesthacht wiederzusehen.

 

Anja Nowatzky

             

 

Erstellt am:

16. Oktober 2019

Aktualisiert am:

21. Oktober 2019

Autor:

Anonymer Autor
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