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Uferschutz - Streit wegen der Pempen

Ab dem 17. Jhdt. war die Dorfschaft Geesthacht das Ufer vor dem reißenden Elbstrom zu schützen bemüht. Da insbesondere die ehemalige St. Peter Kirche, im 13. Jhdt. nach der Überflutung und Zerstörung der ersten Kirche auf einer Anhöhe des Geesthachter Pastorenwerders errichtet, durch den Elbstrom zunehmend gefährdet erschien und der Kirchhof sowie einige Häuser in Geesthacht immer öfter durch das Hochwasser in winterlichen Zeiten stark beschädigt worden waren, begannen die Geesthachter zur Abwendung der Gefahr um das Jahr 1604 mit der Errichtung von sogenannten Pempen. Dabei handelte es sich um aus Büschen, Erde und Steinen bestehende Vorschüttungen, die am Ufer des Flusses platziert wurden. Einige Zeit nach dem Bau der Pempen ließ die Strömung der Elbe infolge von Sandablagerungen bei Geesthacht ein neues Vorland entstehen, sodass schließlich die Pempen auf trockenem Land lagen. Gleichzeitig verlegte der Elbstrom seinen Schwerpunkt auf die Lüneburger Seite. Weil die Dorfschaft dieses neue Vorland als Viehweide nutzte (Allmende), wollten die Geesthachter es unbedingt erhalten. Deshalb ließen die beiden Städte Hamburg und Lübeck zum Schutz neue Pempen legen. Kurz nach der Errichtung kam es jedoch zu Konflikten mit dem Herzogtum Lüneburg, das in dem Geesthachter Uferschutz die Ursache für die Ablenkung des Stromes auf das südliche Ufer und eine Gefährdung der Deiche bei Marschacht sah. Aber auch das Herzogtum Sachsen-Lauenburg sah in den Geesthachter Uferschutzmaßnahmen eine Gefahr. Der Schwarzenbeker Amtmann vertrat die Ansicht, dass der Einsatz von Pempen nicht alleine die lüneburgischen Deiche beschädige, sondern auch die Besenhorster Wiesen größtenteils vernichte. Zusammen mit dem Schulzen zu Marschacht kam er deshalb im Jahre 1634 zur Besichtigung der Pempen nach Geesthacht. Obwohl er dabei dem Geesthachter Vogt Jochim Kien die Pempen noch gutwillig zu gestanden hatte, geschah es, dass kurz nach der Besichtigung im Sommer des Jahres 1634 der Herzog August von Sachsen-Lauenburg mit dem Schwarzenbeker Amtmann und Soldaten nach Geesthacht ritt, dort die Pempen in Augenschein nahm und die Büsche durch die Soldaten anzünden ließ, wodurch die Pempen zerstört wurden. Es gelang den Geesthachtern anschließend, die Pempen noch rechtzeitig im Winter 1634 unter Anwesenheit von Soldaten, die von Hamburg nach Geesthacht geschickt worden waren, zu reparieren. Es sollte jedoch nicht bei diesem einen Überfall bleiben. Am 16.11.1657 fielen bewaffnete sachsen-lauenburgische Untertanen, neben Soldaten auch Bürger aus Lauenburg, angeblich um die 300 Mann stark, in Geesthacht ein und zerstörten erneut die Pempen. Wie auch schon nach der vorigen Zerstörung konnten die Pempen auch dieses Mal schnell repariert werden. Auf die Beschwerden der beiden Städte Hamburg und Lübeck, die die Zerstörung nicht ungesühnt lassen wollten, entgegneten die Räte aus Ratzeburg, dass ihrem gnädigen Fürsten (Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg) und den Herren Beamten keine widerrechtliche, gegen die Reichsverfassung und gegen das ,,instrumentum pacis" (Friedensvertrag) verübte Handlung vorzuwerfen sei, dass hingegen vielmehr die beiden Städte Hamburg und Lübeck nicht die Macht und das Recht gehabt hätten, dort die Pempen an das Ufer des Flusses zu legen, und deshalb wider die heilsame Reichsverfassung wissentlich gehandelt hätten (das Herzogtum Sachsen-Lauenburg bestritt stets die von den beiden Städten in Anspruch genommenen Hoheitsrechte über den halben Elbstrom).

Dass die Sorgen des damaligen Schwarzenbeker Amtmanns im Jahre 1634 um die Sicherheit der Besenhorster Elbwiesen nicht vollkommen unbegründet waren, zeigte sich später auf tragische Weise bei der Zerstörung des alten Dorfes Besenhorst durch die Flutkatastrophe im Jahre 1805. Zum einen waren die Maßnahmen zum Schutz der Besenhorster Elbwiesen über all die Jahre unzureichend geblieben, zum anderen aber war es letztlich allen beteiligten Parteien bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelungen, die Streitigkeiten zu überwinden und sich auf territorienübergreifende Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu verständigen.

Erstellt am:

27. Februar 2014

Aktualisiert am:

28. Februar 2014

Autor:

Andree Peterburs , Von-Graffen-Str. 4, 20537 Hamburg , apeterburs@gmx.de

Literatur / Quelle:

StAHH, 415-1, Lübecker Senatsakten betr. Bergedorf, Vol. 31 Fasc. 1 f.
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