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Holzhude - Konflikt mit dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg wegen des Holzzolls

Die beiden verbündeten Freien Reichsstädte Hamburg und Lübeck gerieten wegen ihres Hoheitsrechts über den halben Elbstrom bei Geesthacht, erworben im Jahre 1420 einschließlich der Dorfschaft Geesthacht als Exklave, immer wieder in Streit mit dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg, das den ganzen Elbstrom bis zum Ausfluss der Ilmenau und der Luhe für sich reklamierte und die Hoheitsrechte der beiden Städte in Frage stellte. Im Wesentlichen ging es bei dem Konflikt um die Sicherung und Kontrolle des wichtigen Handelsweges und um die Zollhoheit. Den Herzögen von Sachsen-Lauenburg war dabei die in Geesthacht gelegene Holzhude, ein alter Holzstapelplatz mit Anlegestelle der Schiffe und damals eine Zollstelle der Städte Hamburg und Lübeck, ein besonderes Ärgernis. Nicht nur die Geesthachter Bauern, für die neben der Landwirtschaft der Handel mit Holz eine wichtige Erwerbsquelle darstellte, sondern auch die lauenburgischen Untertanen verschifften ihr Holz über die Holzhude in Geesthacht und zahlten dabei den Holzzoll an die beiden Städte. Die Herzöge von Sachsen-Lauenburg wollten deshalb die Verladung des Holzes aus den Waldungen ihres Herzogtums auf die Schiffe an der Holzhude in Geesthacht unterbinden und waren den Handelsstrom auf die eigenen Holzhuden in Besenhorst und Tesperhude, wo das Herzogtum Sachsen-Lauenburg den Ausfuhrzoll auf Holz erhob, umzulenken bemüht. Dieser Holzzoll diente dem Herzogtum nicht allein als Einnahme, sondern war auch vor dem Hintergrund einer fehlenden nachhaltigen Forstwirtschaft ein Instrument, der übermäßigen Abholzung des Sachsenwaldes entgegenzuwirken und den Holzhandel einzuschränken und zu kontrollieren.

Im Jahre 1616 versuchte der Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg, den beiden Städten den Zoll zu Geesthacht gewaltsam zu entziehen, die alte Holzhude in Geesthacht stillzulegen und die Verladung des lauenburgischen Holzes an der neu errichteten Holzhude in Besenhorst zu erzwingen. Hierzu ließ er am 22. August 1616 durch seine Beamten und Untertanen in starker Anzahl zu Ross und Fuß die auf beiderstädtischem Grund und Boden befindlichen Geesthachter Wiesen besetzen und auf gewaltsame Weise Holz mitsamt Ewer und Menschen, einem lauenburgischen und einem lüneburgischen Untertanen, beschlagnahmen und von den Geesthachter Wiesen nach Lauenburg abtransportieren. Die beiden inhaftierten Untertanen, Jochim Harders und Peter Schnelle, hätten angeblich heimlich in der Nacht das Holz aus dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg auf einen Ewer geladen und dieses ohne Zoll auf die Geesthachter Wiesen gebracht (vgl. Schreiben des sachsen-lauenburgischen Kanzlers und Rates v. 13.09.1616). Den Geesthachter Holzhändlern gab der Herzog den Befehl, kein Holz mehr aus dem Herzogtum zu erkaufen. Das auf den Höfen in Geesthacht gelagerte Holz ließ er beschlagnahmen. Dem Vogt Carl Khine (Kienen) zu Geesthacht erteilte er den Befehl, von den holsteinischen und lauenburgischen Untertanen erkauftes Holz, ungefähr 180 Faden, so auf dessen Hofe stehend, nicht von Geesthacht wegzuführen. Der Vogt zu Geesthacht berichtete hierzu dem Amt Bergedorf (vgl. Schreiben der Stadt Bergedorf v. 02.09.1616), er habe zudem von den lauenburgischen Untertanen gehört, dass der Herzog die Holzhude von Geesthacht wegnehmen wolle und er im ganzen Lande seinen Untertanen gebiete, dass sie kein Holz mehr nach Geesthacht zur Verschiffung heranführen sollten. Die lauenburgischen Untertanen sollten dem Bericht zufolge in Zukunft ihr Holz an der neuen Holzhude in Besenhorst auf die Schiffe verladen und dort den Holzzoll zahlen, wodurch "[…] den beiden Erb. Statten der Zoll daselbst zur Geisthacht abgehen und endtzogen würde, sie müssen aber gleichwoll den Zollnspieker vorbeyfahren […]". Auf ihre Beschwerdebriefe an den sachsen-lauenburgischen Kanzler und Rat erhielten die beiden Städte Hamburg und Lübeck die Antwort (vgl. Schreiben v. 18.09.1616), dass der Herzog durch diese Maßnahmen dem diebischen Treiben ein Ende setzen wolle, denn es sei "[…] von den Geisthachteren und anderen anreinenden Dorffschafften, auff dem Brunstorffer felde und sonsten viell Holtzes gestolen, und dieblich entwendet worden […]". Auch beabsichtige der Herzog, den beiden Städten sogar den Elbstrom des Orts zu entziehen. Die beiden Städte Hamburg und Lübeck nahmen diesen Vorfall auf ihrem Hoheitsgebiet und die Androhungen des Herzogs nicht hin und planten, Soldaten zur Sicherung der Zollstelle nach Geesthacht zu schicken, die die Schiffe aus Geesthacht, welche stromabwärts an Besenhorst vorbeifahren mussten, eskortieren sollten. Auch drohten sie mit langwierigen gerichtlichen Prozessen. Unerwartet schnell jedoch kam es nach nur wenigen Monaten zu einer Lösung des Konfliktes. Die neu errichtete Holzhude in Besenhorst wurde stillgelegt und die Geesthachter Holzhändler verschifften weiterhin ihr Holz über Geesthacht. Der Grund für die Stilllegung der Holzhude in Besenhorst dürfte aber nicht allein der Widerstand der beiden Städte gewesen sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich die Elbe bei Besenhorst für das An- und Ablegen der Schiffe als nicht tief genug erwies. Dies geht aus dem Schreiben des Bergedorfer Amtmanns Albrecht von Eitzen an den Bürgermeister und Rat der Stadt Hamburg vom 15.03.1617 hervor: ,,Mit der Abschiffung ist es alß und dero gestaldt bewandt, daß sie auf sechsischen grundt und bode, da der grabe gezogen nicht konnen anlegen noch abschiffen, weil es daselbst zu floth [sumpfig; Anm. d. Verf.] und nicht tieff genug, müßen derowegen nottwendich auf Lütke Ricken bey der Erb. Statte Underthanen zu Geisthacht wohnent, seiner Wische und Anschloß, ahnlegen, und alda die Schiffe laden, wie solches auch der Voigt Carl alhir und ander bestendig berichten." Zudem wird in dem Schreiben mitgeteilt, dass die lauenburgischen Untertanen erst im Herbst 1616 begonnen hätten, ihr Holz, ungefähr 800 Faden, von Besenhorst wegzuführen und dass die Holzhude in den Wintermonaten nicht benutzt worden sei, aber im Frühjahr wieder eröffnet werden sollte.

Nach dem Tod des Herzogs Franz II. von Sachsen-Lauenburg, gestorben 1619 in Lauenburg, versuchten dessen Nachfolger die Umlenkung der Holzprodukte über die Holzhude in Tesperhude durch entsprechende Anordnungen an die lauenburgischen Untertanen zu erzwingen. Einer Zollrolle von 1666 zufolge musste dort ein lauenburgischer Untertan für einen Faden Buchenholz 8 Schilling zahlen (vgl. Prüß). Im Fall von Zuwiderhandlung wurden Strafen angedroht. Auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in Geesthacht hatte diese Restriktion und die damit verbundene Verlagerung des Handelsstromes in den Nachbarort Tesperhude weitreichende negative Auswirkungen. Da die Geesthachter Holzhändler nach dem Bergedorfer Rezess zum Holzhandel (vgl. Amtsprotokoll Bergedorf v. 31.01.1663) kein Holz von lauenburgischen Untertanen beziehen durften, verblieb ihnen meist nur die Möglichkeit, das Holz aus den beiderstädtischen Waldungen über die Holzhude in Geesthacht zu verschiffen. Die lauenburgischen wie auch die beiderstädtischen Untertanen umgingen indes die Anordnungen und Verbote oft, sodass sich ein permanenter Schmuggelverkehr über Geesthacht entwickelte.

Erstellt am:

08. August 2013

Aktualisiert am:

09. August 2013

Autor:

Andree Peterburs , Von-Graffen-Str. 4, 20537 Hamburg , apeterburs@gmx.de

Literatur / Quelle:

Staatsarchiv Hamburg: StAHH, 415-1, Lübecker Senatsakten betr. Bergedorf, Vol. 31 Fasc 1 d, 1616-1617; Prüß, M. (1929): Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen, Geesthacht-Hamburg 1929.
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