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Das Ablager-Recht der Herzöge von Sachsen-Lauenburg in der Dorfschaft Geesthacht und die Bedeutung des Verbittelgeldes

Zu den in der mittelalterlichen Feudalherrschaft begründeten Pflichten des Lehnsmannes (Vasallen) gegenüber seinem Lehnsherrn zählte u. a. die Pflicht auf Gewährung eines Ablagers. Demnach mussten die Bauern eines Dorfes dem Landesherrn, der in das Dorf gereist war, um mit seinem Gefolge in den umliegenden Wäldern Jagd zu betreiben, auf eigene Kosten eine Herberge gewähren und der Jagdgesellschaft Speise und Trank sowie den Pferden und Jagdhunden Futter zur Verfügung stellen.
Das Dorf Geesthacht gehörte ursprünglich zu Sachsen-Lauenburg. Der Herzog von Sachsen-Lauenburg besaß mithin in Geesthacht das Recht auf ein Ablager, das einmal jährlich beansprucht werden konnte. Daneben hatten die Geesthachter Bauern zusätzlich die Pflicht, Verbittelgeld (Schutzgeld) an den Landesherrn zu zahlen. Mit dieser Abgabe wurde der Schutz z. B. vor Wegelagerern oder vor feindlichen Überfällen bezahlt. Nach dem Friedensvertrag von Perleberg im Jahre 1420 gingen die zu Sachsen-Lauenburg gehörigen Herrschaften Bergedorf (inklusive Geesthacht) sowie Teile des Sachsenwaldes in den Besitz der beiden Städte Hamburg und Lübeck über. Die Herzöge von Sachsen-Lauenburg behielten jedoch das Jagdrecht und das Recht auf ein Ablager in den betreffenden Territorien. Auch musste weiterhin jeder Hufner 8 Schilling und jeder Kätner 4 Schilling Verbittelgeld an das Herzogtum Sachsen-Lauenburg entrichten. Für die Eintreibung des Verbittelgeldes sowie für die Beanspruchung des Ablager-Rechts setzte der Herzog von Sachsen-Lauenburg einen Bauermeister in Geesthacht ein. Als sächsischer Bauermeister zu Geesthacht sind dabei in Erscheinung getreten der Hufner Heine Ricke und nachfolgend dessen Sohn Luetke Ricke, wie etwa dem überlieferten Protokoll der in Bergedorf auf Anlass der beiden Städte Hamburg und Lübeck erfolgten Visitation von 1605 oder dem Ablager- und Verbittelgeldregister des Amtes Lauenburg von 1618 zu entnehmen ist. Daneben amtierten Albert Reimers und nachfolgend Carsten (Carloff) Kiehn als beiderstädtischer Bauernvogt zu Geesthacht für die Städte Hamburg u. Lübeck. Für das dem Herzog von Sachsen-Lauenburg zugestandene Ablager-Recht erhielt im Gegenzug der Bauermeister von Geesthacht die Erlaubnis, sein Vieh auf sächsischem Gebiet weiden zu lassen. Jedoch war er dem Verbittelgeldregister von 1618 zufolge verpflichtet, jährlich ein gemästetes Schwein abzugeben: ,,Wan Mastung ist, gibt Fürstl. Gn. Bawermeister Ludtke Rickke ein feist Schwein, gleich andere Gehst Bawermeistere." 

Weil das herzogliche Ablager für die in Geesthacht ansässigen Hufner eine große Belastung darstellte, wurden seitens des Herzogs weitere Zugeständnisse an die Geesthachter gemacht. So erhielten die Hufner und Holzhändler zu Geesthacht, die dem Herzog von Sachsen-Lauenburg das Ablager gaben, etwas Holz aus dem Sachsenwald geschenkt. Auch erlaubte der Herzog den Geesthachtern im geringen Umfang das Fällen von Bäumen im Sachsenwald. Dies geht aus den Zeugenaussagen der ältesten Geesthachter Holzhändler in Bergedorf am 05.10.1680 hervor. Diese waren auf Begehren der Abgesandten der beiden Städte Hamburg und Lübeck vernommen worden, da einige Geesthachter Holzhändler unerlaubten Handel mit den sächsischen Untertanen betrieben hatten (als Zeugen die Hufner und Holzhändler Hein Uhrbrock, 63 Jahre alt, Hein Moling, 62 J., Carsten Reimers, 63 J., Carsten Elffers (Elvers), 49 Jahre alt). Der Zeuge Hein Uhrbrock sagte z. B. aus: ,,(…) daß habe Er von seiner S. Mutter so auß dem Saechßischen von Daßendorff bürtig gewesen, wollgehöret, daß den Jenigen so den Hertzog gastieret, dafür von dem Hertzog hinwieder Holtz aus dem Sachßenwaldt wahr verehret worden, undt wahren damahlen in Geesthacht nur acht Hoefners undt fünff Katheners gewesen." Wie aus dieser Zeugenvernehmung auch hervorgeht, drohten demjenigen Geesthachter, der sich weigerte dem Herzog das Ablager zu geben, empfindliche Strafen. So sagte der Hufner Carsten Elvers aus, dass er von seinem Vater und Großvater (Carsten und Baltzer, siehe Amtsprotokoll Fol. 174 Rückseite) gehört hätte, dass sein Urgroßvater Benedict Elvers kein Holzhändler gewesen wäre und dass dieser sich geweigert hätte, dem Herzog das Ablager zu geben, woraufhin die Sächsischen dem Benedict Elvers einen Ochsen vom Felde genommen und geschlachtet hätten: ,,Testis 4. Carsten Elffers: von seinem S. Vater undt GrosVater habe Er vielmahl gehoret, daß Zeugen Elter Vater Benedicto Elffers kein Holtzhandeler gewesen, undt alß wenig Spann oder Vieh gehabt, alß das auch wenig Holtz auß dem Sachßenwaldt in denen den Geesthachtern für daß Ablager frey vergonneten. 14: Tagen Holtz zu fällen u. heraus zu führen, von ihm heraus gebracht undt genoßen werden könne, dahero Er sich zum Ablager etwas zu geben gewegert, undt wie solches geschehen hatten die Sachßischen von deßen Ochßen /: so voran beym Mohr in der Weyde gegangen / Einen wegk geholet, undt daßelbe zum Ablager geschlachtet."

Die Herzöge von Sachsen-Lauenburg hatten noch bis 1673 in Geesthacht von ihrem Ablager-Recht Gebrauch gemacht. Im Jahre 1672 verursachte dabei der Herzog Franz Julius dem Dorf Geesthacht einen Aufwand von 124 Mark lübisch und 4 ß und im Jahre 1673 von 149 Mark lübisch. Als Entschädigung schenkte er dem Bauernvogt Hein Uhrbrock, in dessen Hause er die Herberge gehalten hatte, 6 Reichstaler, welche der Vogt aber nicht behalten durfte, sondern auf Anordnung der Ratsabgesandten von Lübeck und Hamburg in der Gemeindekasse des Dorfes als Einnahme zu verbuchen waren. Ab 1674 wurde das Ablager-Recht nicht mehr beansprucht. Stattdessen musste aber die Gemeinde Geesthacht jährlich bis in jüngere Zeit eine Ablösungssumme von 100 Mark lübisch zahlen. Laut Zeugenaussagen der Geesthachter Holzhändler vom 05.10.1680 war diese Ablösungssumme jedoch keine neuere Erscheinung, sondern bereits in früherer Zeit regelmäßig fällig gewesen. Tatsächlich ist eine Verabredung zwischen dem Herzog und der Dorfschaft aus dem Jahre 1585 überliefert, wonach dem Herzog anstelle des Ablagers und der Naturalverpflegung ein jährliches Ablagergeld in Höhe von 100 Mark lübisch gezahlt werden sollte. 

Ob nach dem Jahre 1618 noch das Verbittelgeld die ursprüngliche Bedeutung als eine persönliche Leistung jedes einzelnen Hufners und Kätners für gewährten Schutz hatte, ist nicht überliefert. Es ist aber zu konstatieren, dass nach dieser Zeit jeder neue Ansiedler in dem Dorf Geesthacht kein Verbittelgeld mehr zu zahlen hatte, die Eigentümer der alten Hufen- und Katenstellen indes weiterhin zur Abgabe verpflichtet wurden. Dieser Umstand zeigt, dass sich der Charakter des Verbittelgeldes grundlegend geändert hatte. Das Verbittelgeld im Sinne von Schutzgeld entwickelte sich zu einer dem Grundstück anhaftenden Reallast. In der weiteren Entwicklung wurden die Hufner und Kätner von dieser Abgabe entlastet, da die Ortschaft diese Gebühr übernahm. Noch bis ins 20. Jahrhundert war die Gemeinde Geesthacht, allen Widersprüchen und Prozessen gegen die Gebührenabgabe zum Trotz, zur Zahlung dieser beiden Gebühren, Ablager- und Verbittelgeld, an den Kreis Herzogtum Lauenburg verpflichtet.

Erstellt am:

23. April 2013

Aktualisiert am:

05. Dezember 2016

Autor:

Andree Peterburs , Von-Graffen-Str. 4 20537 Hamburg , apeterburs@gmx.de

Literatur / Quelle:

Staatsarchiv Hamburg: StAHH, 415-2I, Amt Bergedorf, Pars II Sectio IX Nr. 1 a, 25.06.1605
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