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© Stephan Darm 
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Ein Baum für den Frieden

 

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.“ – so der indische Apostel des passiven Widerstands, Mahatma Gandhi (1869-1948). Die Sehnsucht nach Frieden ist so alt wie die Menschheit, die sich dennoch stets von neuem in den Krieg begibt. Rätselhaftes Wesen. Der „große vaterländische Krieg“ zwischen 1914 und 1918 zählte letztlich an die 10 Mio. Gefallene. Er hat die Sehnsucht nach Frieden entfacht und legte gleichzeitig die Weichen für den noch verlustreicheren Zweiten Weltkrieg. Was hat das mit der Eiche zu tun, die gegenüber der Post am Rande eines Parkplatzes an der Berliner Straße steht? Sie wurde von einem heimkehrenden Soldaten 1918 gepflanzt – als Friedenseiche. Der Baum blüht prächtig. Und der Friede?
Die Geschichte des Baumes beginnt im Jahr 1916 in Frankreich. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs bereitet sich ein Geesthachter auf den Fronturlaub vor - und steckt vor der Abreise ein kleines Bäumchen in seinen Rucksack. Kaum angekommen in der Heimat, bittet der Geselle seinen Chef, den Zimmerer-Meister und Maurer Erdmann Stoffregen, den Baum als „Friedenseiche“ in seinen Garten zu pflanzen. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs war es in Deutschland nicht ungewöhnlich, Friedenseichen zu pflanzen. Mit dieser symbolischen Handlung sollte der Frieden angemahnt werden. Stoffregen ist von der Idee begeistert.
Wo heute der Baum über dem tristen Parkplatz blüht, endete früher das Anwesen der Familie. Die in Geesthacht sehr angesehenen Stoffregens hatten hier neben einer Villa auch ein Baugeschäft und eine große Werkstatt mit vielen Angestellten. Das Grundstück erstreckte sich von der Eiche bis zur katholischen Kirche. Doch schließlich verlor Stoffregen sein Geld durch die Inflation, um schließlich ein paar Jahre später wieder zu Vermögen zu kommen, als die Geesthachter Rüstungsfabriken durch die Nationalsozialisten wieder aufgebaut wurden. Die Werkstatt wurde schließlich durch einen Bombenangriff schwer beschädigt, andere Gebäude mussten dem Straßenbau weichen. Die Villa ist Ende der 1970er Jahre als letztes Gebäude abgerissen worden. Übrig geblieben ist nur die Friedenseiche.
Egal wie viele Autos auf der Hauptstraße vorbeirauschen - sie blüht jeden Sommer. Nur der junge Geselle hat seinen Baum nie wieder gesehen: Nachdem er an die Front zurückgekehrt war, fiel er in Frankreich. 

 

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