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Vom Gutshof zur Öko-Siedlung

 

Wer weiß, dass die Ökohaus-Siedlung Heinrichshof ihren Namen einem alten landwirtschaftlichen Betrieb verdankt?

Der letzte Landwirt verließ Geesthacht (Besenhorst und Grünhof-Tesperhude nicht mitgerechnet) im Januar 1999: Still und fast unbemerkt fuhr Frank Lütten seinen Traktor durchs Scheunentor und steuerte zu seinem neuen Hof in Brunstorf. Damit endete eine Ära in der Oberstadt, kurz darauf rückten  schwere Maschinen an und machten den Heinrichshof zwischen Richtweg und Marksweg dem Erdboden gleich. Durch die wachsende Wohnbebauung in der Stadt war es eng für die Landwirtschaft geworden. Zeiten, in denen sich acht Bauern die Flächen in Geesthacht teilten, waren seit Jahrzehnten  Geschichte. Auch Frank Lütten musste mit seinen Landmaschinen bereits durch die Wohnstraßen der Oberstadt fahren, um seine 340 Hektar Ackerflächen zu erreichen.

Seit 1825 hatte die Familie Lütten einen Bauernhof in Geesthacht. Zuerst an der Hafenstraße, Ecke Schillerstraße. 1942 pachtete  Richard Lütten, der Großvater von Frank Lütten, den Heinrichshof von der Stadt. Diese hatte das Areal damals durch ein Vorkaufsrecht in ihren Besitz gebracht, hinzu kamen 37,7 Hektar Ackerland. Seit den 1950er-Jahren betrieb die Landwirtsfamilie noch eine Bullenmastanlage auf dem Heinrichshof,  1983 wurde komplett auf Ackerbau umgestellt.

Die Stadt hatte den Wert des „Sahnestückes“ erkannt und die Fläche für ein besonderes Bauprojekt auserkoren: Am Rande des Stadtwalds entstand eine Mustersiedlung mit zum Teil preisgekrönten Öko-Häusern in verschiedenen Baustilen. An den alten  Heinrichshof erinnert heute nur noch der Straßenname – und das erhaltene Gutshaus: Das 1898 von Heinrich Meyer – daher auch der Name Heinrichshof – erbaute Haus mit vielen Jugendstilelementen beherbergt heute Praxisräume und eine Wohnung. Ideen, das alte Gebäude in einen Bürgertreff zu verwandeln, wurden wieder verworfen.

Wer weitere Überbleibsel des alten Heinrichshofs sucht, muss genau hinsehen: So ist schräg gegenüber des Gutshauses noch ein Nebengebäude von der Abrissbirne verschont geblieben, das heute bewohnt ist. In einem Gebüsch zwischen Siedlung und Wanderweg hat zudem ein altes Tor die Zeit überlebt und erinnert an die Ära der Landwirtschaft am Geesthang.

Als Öko-Siedlung wird ein Stadtteil bezeichnet, der an ökologischen Kriterien ausgerichtet ist. Dies betrifft insbesondere die Verkehrsplanung (z. B. Stadtteile ohne Autoverkehr) sowie Energiestandards, also beispielsweise Niedrigenergiehäuser, Passivhäuser und eine regionale Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern oder Blockheizkraftwerken.

 

Heinrichshof aus der Luft um 1928
© Buch Spurensuche - ISBN 978-3-923952-15-1 
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