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© Stephan Darm 
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Ein Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma in Geesthacht wurde nach heftigen Auseinandersetzungen im Kirchenvorstand 1985 auf dem Kirchhof der St. Salvatoris Kirche aufgestellt. Auf dem Stein steht folgender Text: „Sinti und Roma mussten leiden und sterben. 1933-1945. Sorgt, die ihr im Leben  steht, dass einer nun den anderen achte“. Im Kopf des Denkmals befindet sich eine Kassette, die die Namen von 23 Sinti enthält. Es sind die im Dritten Reich ermordeten Mitglieder einer einzigen Großfamilie aus Schnakenbek. Mehrere Mitglieder der damals 36-köpfigen Familie wurden 1943 nach  Auschwitz deportiert. Das Familienoberhaupt war als Soldat eingezogen. Nach der Verhaftung seiner Familie wandte er sich an die Stadtverwaltung Lauenburg/Elbe: „Weshalb soll ich für Deutschland kämpfen, wenn meine Familie auseinander gerissen wird und ich nicht weiß, was mit ihr passiert?“ Nachdem er demonstrativ seine Uniform abgelegt hatte, wurde er verhaftet und nach Auschwitz gebracht, wo er am 2. November 1943 starb. Die Überlebenden der Familie zogen nach dem Krieg nach Geesthacht.

„Zigeuner“ ist die deutsche Bezeichnung für das Volk der Sinti und Roma, die Nachfolger einer ursprünglich nomadisierenden ethnischen Minderheit sind, die zwischen 800 und 1.000 n. Chr. aus Nordwestindien nach Europa einwanderten. Das Volk wurde von der sesshaften bürgerlichen Gesellschaft stets als bedrohlich, wenn nicht gar als gefährlich angesehen. Alte Edikte bezeichnen die „Zigeuner“ als „Landplage, Kannibalen, Kindesräuber und Brunnenvergifter“. Bereits 1899 entstand eine „Zentrale zur Bekämpfung des Zigeuner-Unwesens“ in München. Die NS-Machthaber verstärkten die Verfolgung der Zigeuner durch die Einrichtung von Sammellagern nach 1933. Mit dem Ziel der  „totalen Liquidierung“ befahl Heinrich Himmler im Dezember 1942 die Einweisung aller „Zigeuner“ und „Zigeuner-Mischlinge“ in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Insgesamt kostete die nationalsozialistische Verfolgung mindestens 220 000 Zigeunern das Leben.
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