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© Stephan Darm 
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1952 beantragte der „örtliche Vertreter der Opfer des Naziregimes“, ein Herr Burmester, die Aufstellung einer Ehrentafel für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Geesthacht. Es dauerte 33 Jahre, bis die Stadt diesem Anliegen nachgekommen ist. Und: Geesthacht hatte zahlreicher Opfer zu gedenken.

Als  ehemalige Hochburg der KPD standen die alten Genossen bei den Nationalsozialisten unter einer besonderen Beobachtung. Verfolgung, Schutzhaft und Einschüchterung gehörten zu den alltäglichen Maßnahmen der nationalsozialistischen Diktatur gegen vermeintliche und tatsächliche Regimegegner.  Die Verfolgungsmaßnahmen setzten bereits im Frühjahr 1933 ein. Am 1. April 1933 wurde in Geesthacht eine Großrazzia durchgeführt, bei der 80 Personen verhört und 28 verhaftet wurden. Zeitzeugen berichteten von Folterungen im Keller des damaligen Polizeigebäudes. 1938 erfolgte die Verhaftung von 33 Geesthachtern, meistens Mitglieder des ehemaligen Arbeiter-Gesangvereins „Hoffnung“.
Nach dem misslungenen Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juni 1944 führten die Nationalsozialisten einen Rachefeldzug durch. Im Rahmen der so genannten „Gewitter-Aktion“ vom August wurden reichsweit ehemalige KPD- und SPD-Kommunalpolitiker verhaftet und ins KZ gebracht.
In der Nacht vom 22. auf den 23. August wurden in Geesthacht anhand von Gestapo-Listen 23 Männer und vier Frauen verhaftet und ins Konzentrationslager Neuengamme gebracht. Das Gedenken dieser Opfer geriet in die Mühlen der Nachkriegspolitik, die vor allem durch den Kalten Krieg geprägt war. Es gehörte in den 1950er und 1960er Jahren zur „political correctness“ der bundesdeutschen Gesellschaft, der gefallenen deutschen Soldaten zu gedenken (Helden?), statt der ums Leben gekommenen Regimegegner (Verräter?). Erst nach 1980 kam die Diskussion erneut in Gang, im Ratssaal eine Gedenktafel aufzustellen. Am 8. Mai 1985, zum 40. Jahrestag des Ende des Krieges, weihte die Stadt die hölzerne Tafel im Ratssaal ein. Es kam vorher in den städtischen Gremien zu einem erbitterten Streit über die Bezeichnung der auf der Tafel genannten 27 Opfer. Die meisten davon hatten der KPD angehört. Einflussreiche Teile der Ratsversammlung wehrten sich dagegen, die Parteizugehörigkeit auf der Gedenktafel notieren zu lassen. Sie ist auch unterblieben. So findet man nur die Namen der Opfer auf der hölzernen Tafel, die im Ratssaal hängt.

„Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit.“ (Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 im deutschen Bundestag)
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