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© Stephan Darm 
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1946 wurde der Gedenkstein für die in Geesthacht verstorbenen russischen Kriegsgefangenen auf dem Alten Friedhof errichtet. Er steht unweit des Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Überreste der Toten lagen vorher auf dem Waldfriedhof mit weiteren Gräbern ehemaliger Fremd- und Zwangsarbeiter. Die sowjetische Regierung – damals eine Besatzungsmacht – bestand jedoch auf die Einrichtung einer gesonderten Gedenkstätte für ihre in Geesthacht verstorbenen Bürger.
Die Anlage entwickelte sich in den Jahren danach zur zentralen Gedenkstätte für die politischen Opfer der  NS-Gewaltherrschaft in Geesthacht. In den 1950er Jahren veranstaltete die lokale Organisation des VVN (Verband der Verfolgten des Naziregimes) regelmäßig am 9. Mai (dem Tag der Kapitulation des Deutschen Reiches vor der UdSSR) eine Gedenkveranstaltung.
Während des Zweiten Weltkrieges gab es ca. 2.500 russische Kriegsgefangene in Geesthacht, sie wurden überwiegend im bewachten Lager „Reichsstraße“ (nahe der Gastwirtschaft„ Grüner Jäger“) untergebracht. Gearbeitet haben sie in der Sprengstofffabrik Krümmel und in der Pulverfabrik Düneberg, sowie in weiteren Betrieben. Im  Ministerialblatt Nr. 31 vom 4. August 1943 heißt es: „Die Kriegsgefangenen sind und bleiben eine Gefahr im deutschen Volkskörper; diese Tatsache muss allen Volksgenossen immer wieder vor Augen geführt werden“. Leider sind im Stadtarchiv keine Akten über das Alltagsleben der Kriegsgefangenen  vor Ort erhalten geblieben.
Die Behandlung der Kriegsgefangenen sollte sich nach dem Genfer Abkommen von 1929 richten. In Bezug auf die russischen Kriegsgefangenen fühlte sich der NS-Staat nicht daran gebunden. Richtschnur für die Behandlung war vielmehr die Rassenideologie der NSDAP. Der  Krieg mit der UdSSR galt als „Krieg zweier Weltanschauungen“, der sowjetische Mensch als „rassisch minderwertig“. Die russischen Kriegsgefangenen wurden schlechter verpflegt und behandelt als Kriegsgefangene aus dem Westen. Der Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen diente auch ihrer  physischen Vernichtung: Arbeit bis zum Tode. Von den mindestens 5,4 Mio. in deutsche Gefangenschaft geratenen Rotarmisten sind schätzungsweise 2,5 Mio. gestorben bzw. ermordet worden.

Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat. (Heinrich Böll)
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