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© Stephan Darm 
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Ungewöhnlich – der nördliche Anbau des GeesthachtMuseums! weist drei Türen auf: die „Groot Dör“, links daneben eine normale Tür und direkt darüber eine weitere dritte Tür. Diese scheint ohne Funktion zu sein – ins „Nichts“ zu führen bzw. drei Meter in die Tiefe. Sie ahnen es sicher schon, auch hier steckt eine Geschichte dahinter.
Seit dem Umzug der Familie Krüger in das neue benachbarte „Haupthaus“ im Jahre 1935 diente das alte Fachwerkgebäude, das Krügersche Haus, in der Bergedorfer Straße 28 als Lagerraum. Die Wohnraumnot führte nach 1945 zu einer Wiederbelebung des historischen Gemäuers als vorübergehendes Wohnhaus und so konnten vier Flüchtlingsfamilien gleichzeitig untergebracht werden. Im unteren Südanbau mit der ehemals Guten Stube und dem Altenteiler fanden zwei Familien Unterkunft, im Erdgeschoss des Nordanbaus lebte in einem Zimmer mit 20 Quadratmetern, dem heutigen Eingangsbereich des Museums, eine Familie und in der ehemaligen Werkstatt im oberen Stockwerk in einem gleich großen Zimmer eine weitere Familie. Sanitäre Anlagen gab es nicht im Haus, nur eine Außentoilette. Der Mittelteil des Hauses diente weiterhin als Lagerraum.
Die Flüchtlingsfamilien mit ca. 20 Personen lebten auf engstem Raum. Wohn- und Schlafzimmer sowie Küche waren anfangs ein Raum. Jede Familie hatte eine eigene Kochstelle mit einem Notofen, „Hexe“ genannt. Als die Familie aus dem unteren Zimmer des Nordanbaus Anfang der 1950er auszog, fügte der Eigentümer Hermann Krüger dem Haus zwei von außen auffällige Änderungen zu. Er ließ Außentüren unten und oben als Zugänge zu den beiden ehemaligen Flüchtlingswohnungen einbauen. Sie wurden mit  einer Außentreppe verbunden, damit die Flüchtlingsfamilie nicht mehr über die Diele in den oberen Raum gehen musste; das Zimmer diente nun als Schlafraum. Die Treppe wurde Ende der 1950er Jahre wieder entfernt.
Beide Türen sind im Gegensatz zur Treppe bis heute vorhanden und von außen gut sichtbar: die untere ist mittlerweile der Eingang für das Museum und die Touristinformation und die obere Tür führt aus dem Büro des Museumsleiters vorübergehend ins „Nichts“, wenn man denn weiß, wo sich dieser Türgriff im Museum befindet.

Hinter der „Groot Dör“ und vor der großen Glaswand mit dem Durchgang zur heutigen großen Diele des Krügerschen Hauses findet man, den Blick leicht nach oben gerichtet und von einem Lichtkegel erhellt, ein Stück Fachwerkwand, das vom Kalkputz sorgsam gereinigt ist. Hier wird in sehr anschaulicher Art und Weise sichtbar, dass  die ursprünglichen Wände dieses Gebäudes aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts aus Flechtwerk bestanden. Dieses „Mauerwerk", das aus waagerechten Weidenruten und senkrechten Stöcken (Staaken) geflochten wurde, diente als Träger für den Lehmputz. Nachvollziehbar wird bei der Betrachtung dieser Bauweise auch, dass das Wort „Wand" von „winden" (winden der Weidenruten um die Staaken herum) abgeleitet wurde. Der Begriff Lehmputz bezeichnet einen Mörtel aus Lehm, der als Putz für Gebäudeflächen im Innen- und Außenbereich dient. Die Verwendung von Lehmputz zählt zu den ältesten Bautechniken der Menschheit, da der Baustoff weit verbreitet, leicht verfügbar und einfach zu verarbeiten ist.
Lehmputz besteht aus Ton, Sand und Schluff (Feinstsande) sowie Wasser. Zur Verstärkung kann der Lehmputz auch Fasern (wie Stroh o. a.) enthalten. Er trocknet nur durch Verdunstung von Wasser und haftet allein durch mechanische Verzahnung mit dem´Untergrund. Die Tonbestandteile wirken dabei als Verbund beziehungsweise als „Klebstoff". Diese Bauweise der Wände wurde 1987 bei der Restauration des Krügerschen Hauses noch an einigen Stellen vorgefunden.
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