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© Stephan Darm 
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Wer die Hotelräume oder die Brasserie des Lindenhofs betritt, ahnt kaum welch Überrest der Geschichte ein paar Treppenstufen tiefer versteckt liegt: Unter dem modernen Hotelbetrieb sind bis heute Teile eines Kellergewölbes erhalten, das 1887 beim Bau des altehrwürdigen Hauses mit errichtet wurde. Die Keller waren Herzstück einer zum Lindenhof gehörigen Brauerei, in der seinerzeit Braunbier hergestellt wurde. Der Geesthachter Gerstensaft war äußerst beliebt: Per Pferdefuhrwerk wurden die Fässer bis nach Billstedt kutschiert.
Ein Teil dieser Gewölbe diente viele Jahre lang als Eiskeller. Mittlerweile kaum vorstellbar, doch während heute Kühlschränke und Tiefkühltruhen allgegenwärtig sind, war vor gut 100 Jahren an industrielle Kühlung nicht zu denken. Verderbliche Waren wie Fleisch oder Bier im Sommer kühl zu halten, war ein kompliziertes Unterfangen. So nutzten die Zeitgenossen die örtlichen Gegebenheiten: Der Sand des Geesthangs ist kühl und somit ideale Basis für einen Eiskeller. In ihn bauten die Gründerväter des Lindenhofs - allen voran Albert  Kutzner - mit  Ziegeln gemauerte Gewölbe. Schließlich wurden die Räume mit Stroh isoliert. Füllte man sie im Winter mit Eis, sank die Temperatur in den Kellern soweit ab, dass sich ein Großteil des gefrorenen Wassers über Monate hielt.
Ein Teil des Eises half bei der kühlen Lagerung des Bieres. Zudem sicherte der große Eisvorrat dem Gasthaus zusätzliche Einkünfte, denn Eis war im 19. Jahrhundert ein beliebtes und seltenes Gut. So  wurde Eis eimerweise verkauft. Zu den Kunden zählten Schlachtereien und andere Gastwirtschaften, die sich einen eigenen Eiskeller nicht leisten konnten. Mithilfe des gekauften Eises konnten sie ihre Lagerräume kühl halten.
Gebraut wurde in den Kellern bis 1906, als Eiskeller wurden die Gewölbe bis über den Ersten Weltkrieg hinaus genutzt. In der Zeit danach wurde der Keller zweckentfremdet. So züchteten die damaligen Besitzer in den Gewölben während des Zweiten Weltkriegs trotz eines Verbotes in totaler Dunkelheit Schweine. Sie dienten in den schwierigen Zeiten als Ernährungsgrundlage für viele Menschen. Doch auch das ist längst Geschichte. Nach dem Krieg verschloss man die Gewölbe mit Holzbrettern, damit niemand in den dunklen Keller stürzt.
Erst im Jahr 2004 öffnete die Betreiberfamilie Pippirs die Räume wieder und errichtete teilweise eine neue Grundplatte aus Beton, weitete ihr Lager aus. Dabei entdeckten die Arbeiter ein geheimnisvolles  Rohr: Wie sich herausstellte führte es einst bis zur Elbe, damit das Schmelzwasser des Eises ablaufen konnte. Vom Eiskeller hingegen ist nicht mehr viel zu sehen. An ihn erinnern heute nur noch die Ziegelwände sowie die Gewölbestrukturen an der Decke.

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