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© Stephan Darm 
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Entlang der Bundesstraße 5 in Geesthacht liegt versteckt hinter einer Baumallee ein „geheimer Ort“ – der Alte Friedhof. Er trotzt mit seiner Ruhe und zur Schau getragenen Gelassenheit der Hektik der modernen Stadt. Auf dem Friedhof befindet sich ein unscheinbarer Bau, der sich beim näheren Betrachten als Gedenkkapelle entpuppt. Der Alte Friedhof ist ein Friedhof, der keiner mehr ist. Genauer gesagt: er wurde etwa 1955 „außer Dienst“ gestellt. Seit 1996 steht die Gesamtanlage unter Denkmalschutz; sie soll in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben.
Der „geheime Ort“ hat eine Geschichte. 1879 wurde der Friedhof angelegt, 1888 entstand die Kapelle. Das Gebäude ist eine Saalkirche in Ziegelrohbau mit Satteldach. Die Gestaltung erinnert an gotische Bauformen mit romanischen Elementen. Mit der Außerdienststellung des Friedhofs verkam die Kapelle zur Lagerhalle. Erst Ende der neunziger Jahre entstand die Idee, die Kapelle als Kulturstätte zu nutzen.
Am 8. Mai 2000 weihte die Stadt die Kapelle als Gedenkstätte neu ein mit einer ersten Ausstellung über Geesthachter Gedenksteine. Eine Kapelle – auch eine „ehemalige“ – strahlt stets den Charakter eines „Gotteshauses“ aus. Es lag insofern nahe, als Startsignal für die kulturelle Nutzung der Kapelle eine Ausstellung zum Thema „Gedenksteine“ zu zeigen.  Dreizehn Wandtafeln stellen mit Fotos, Gedichten und Zitaten die Geesthachter Gedenkkultur dar. Es sind überwiegend Objekte, welche die beiden Weltkriege reflektieren: Mahnmale,  Zwangsarbeitergräber, Heldengedenksteine, einen Spätheimkehrerstein sowie eine Gedenktafel für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft.
Auf der 13. Wandtafel, unter dem Standort des ehemaligen Kreuzes angebracht, befindet sich ein Gedicht von Nelly Sachs: „Auf dass die Verfolgten nicht Verfolger werden.“ Auch Gedenksteine haben ihre Geschichte. Aufgestellt angesichts des Schmerzes und der Trauer als unmittelbare Folgen von Krieg, Tod und Verfolgung sollen sie und die damit verbundenen Gedenktage die unmittelbare Vergangenheit im gemeinsamen Gedächtnis halten. Es sind Mahnmale, die – in Stein festgehalten – die Erinnerungen künftiger Generationen auf eine gemeinsame Vergangenheit bewahren sollen. Es kommt jedoch häufig anders. Die Erinnerungen verblassen, die Steine werden verlegt und geraten in Vergessenheit. Wenn das Gedenken sich in Ritualen erschöpft, wirkt es sinnentleerend. Nur als ein kritisches und distanziertes „Sich-darauf-Einlassen“ schlägt das Gedenken einen Bogen zur Gegenwart –und zur Zukunft.
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