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„Hilf dir selbst ... so hilft dir Gott“ – so lautete das Motto des Bauvereins „Glaube und Tat“ des VerbGlaube und Tatandes der Heimkehrer, der Anfang 1950 in Hamburg gegründet wurde.

 

Das Ziel des Bauvereins war es, im Wege der Selbsthilfe und unter sachkundiger Leitung Siedlungshäuser für arbeitslose Spätheimkehrer zu bauen. Die Grundvoraussetzung des Vereins – Muskelkraft und handwerkliche Fähigkeiten statt Geld als Kapital bei der Kostenberechnung einzubringen – deutet auf die Wohnungsnot der Nachkriegszeit hin und auf die Bereitschaft der Betroffenen, ungewöhnliche Wege zur Beseitigung dieser Notlage einzuschlagen.

 

Sowohl in Geesthacht als auch in Mölln sind solche Selbsthilfeprojekte realisiert worden. Im Juli und August 1951 erstellte „Glaube und Tat“, Geesthacht, Pläne und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Diese gingen zunächst von 50 Siedlungshäusern aus, die zwischen Spakenberg, Wandsbeker Ring und Rothenburgsorter Weg in Nachbarschaft zur damaligen Behelfsheim-Siedlung geplant wurden.

 

Am 9. August 1950 beantragte der Verein einen Landeskredit in Höhe von 270.000 DM. Nach Auseinandersetzungen mit der Stadt wurde im August ein neuer Bauplatz am Haferberg ausgewählt, da für den ursprünglich vorgesehenen die Kanalisationskosten zu hoch gewesen wären. Die Häuser wurden auf tiefen Gartengrundstücken (mögliche Selbstversorgung) parallel zur Straße angeordnet. Die Häuser erhielten je 43,94 am Wohnfläche: Im Erdgeschoss Wohn- und Waschküche mit 14,8 bzw. 6,34 m², einen Raum von 5,79 m², im Dachgeschoss zwei Zimmer von 11 und 8,4 m², zudem einen „von der Regierung ... vorgenehmigten freistehenden Stalltyp zur Kleinsiedlung SH2 mit Stall, Abort und Waschküche. Als Material wurden Hohlblocksteine aus Schlackebeton vorgesehen. Wegen massiver Streitigkeiten zwischen dem Bauverein und der Stadt verzögerte sich die Fertigstellung bis zum Dezember 1951. Die Siedlung wurde Haus für Haus errichtet und die einzelnen Häuser kurz vor Bezug unter den Siedlern ausgelöst; für drei Jahre blieben die Häuser Eigentum des Trägervereins, dann wurden sie den Mietern als Eigentum übertragen.

Den Straßenausbau führten die Siedler ebenfalls in Selbsthilfe durch. Die Endabrechnung bestätigte das Konzept: Die vorgesehenen 40 % der Kosten, die durch Selbsthilfe erbracht werden sollten, wurden sogar überschritten. Insgesamt ist zwar mit 18 Doppelhäusern in Geesthacht und 17 am Grambeker Weg in Mölln keine ins Gewicht fallende Bautätigkeit durch den Bauverein „Glaube und Tat“ entstanden, die Idee erhielt jedoch aufgrund der geringen Baukosten eine überregionale Aufmerksamkeit.

 

Bundeswohnungsbauminister Eberhard Wildermuth besuchte das Geesthachter Projekt im November 1951 und war von dem „Bauwunder“ beeindruckt. In Bad Oldesloe und Lübeck-Altenholz startete der Verein weitere Projekte. Dass letztlich doch wenig Wohnraum durch das Projekt „Glaube und Tat“ geschaffen worden ist, hängt wohl mit der komplexen Zuständigkeitsstruktur des Vereins und den daraus resultierenden Streitigkeiten mit den kommunalen Behörden zusammen.

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