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© Stephan Darm 
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Weltfrauentag: 65 Prozent der Führungskräfte im Geesthachter Rathaus sind Frauen

Mit 20 zu jung, mit Mitte 40 zu alt – Frauen werden im Beruf wegen ihres Alters oft diskriminiert. Das sagt Ferda Ataman, Deutschlands Antidiskriminierungsbauftragte, und antwortet gemeinsam mit dem Online-Magazin „Palais F*uxx“ darauf mit einer Kampagne. Unter dem Titel „Ohne uns würdet ihr alt aussehen“ sensibilisiert sie wenige Tage vor dem Weltfrauentag (8. März) dafür, dass Frauen in jedem Alter im Job punkten können – eine Wahrheit, die das Geesthachter Rathaus schon lange auf dem Zettel hat. Denn dort sind 65 Prozent der Führungskräfte Frauen – und zwar jeden Alters.

„Alter ist bei uns kein Aufstiegs- oder Einstellungskriterium. Optimal ist es, wenn es in den Teams ein ausgewogenes Geschlechter- und Altersverhältnis gibt. Als Stadt bemühen wir uns, für Personen jeden Alters eine attraktive Arbeitgeberin zu sein. So bieten wir unter anderem flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit des Homeoffice an, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern kann – zum Beispiel, wenn Arbeitnehmende Kinder betreuen oder pflegebedürftige Eltern versorgen“, betont Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze. „Das Argument, das ältere Mitarbeitende nicht so leistungsfähig sind wie jüngere, teile ich in keiner Weise. Insbesondere für meine älteren Kolleginnen und Kollegen kann ich sagen: Sie sind leistungsfähig und engagiert, haben einen sehr großen Wissensschatz, können Situationen durch das bereits Erlebte gut einordnen und jüngere Mitarbeitende an mancher Stelle unterstützen. Und ich erwarte von allen Mitarbeitenden, dass die Personen sich neuen Herausforderungen stellen und sich modernen Verfahren nicht verschließt – egal wie alt die Person ist.“

In jeder Hinsicht überzeugt hat den Verwaltungschef vor zwei Jahren zum Beispiel Dagmar Poltier. 2022 übernahm die heute 64-Jährige die Leitung des Fachbereichs Planung, Bau und Umwelt im Geesthachter Rathaus. „Sie ist leistungsfähig, engagiert und bringt sich mit ihrem Wissen toll ein. Und wer denkt, ältere Mitarbeitende tun sich bei der Anwendung neuerer Systeme schwer, kennt Frau Poltier noch nicht: Bei der Verwendung unserer E-Akte ist sie zum Beispiel ganz weit vorn. Wir müssen in unserer Gesellschaft endlich von diesen falschen Vorstellungen – vor allem gegenüber Frauen – wegkommen und diese Vorurteile abbauen. Unser Rathaus sehe ich da schon als Vorbild“, sagt Olaf Schulze, der als ein weiteres Plus der Geesthachter Stadtverwaltung die Telearbeit betont. Diese kann bis zu 40 Prozent der Arbeitszeit ausmachen – auf Antrag auch mehr: Zeit, die für den Arbeitsweg investiert werden müsste, kann direkt in die Sachbearbeitung fließen oder zum Energietanken vor der Arbeit und somit zur Stressreduzierung genutzt werden. „Flexible Arbeitszeitmodelle sind längst noch nicht überall selbstverständlich. Ich schätze die Möglichkeiten, die ich dahingehend bei der Stadtverwaltung Geesthacht habe, sehr“, sagt Dagmar Poltier. Sie arbeite zeitweise gern im Homeoffice. „Ich merke, dass ich im Homeoffice noch effektiver arbeiten kann, weil ich dort einfach mehr Ruhe habe und weniger gestört werde. Außerdem ist in den eigenen vier Wänden der Erhohlungsfaktor in den Pausen höher“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Auch Hildegard Adamofski schätzt die zeitliche Flexibilität, die ihr das Geesthachter Rathaus ermöglicht. Seit 2017 ist die heute 37-Jährige Leiterin des Fachdienstes Stadtplanung – ihr Kind ist fünf Jahre alt. „Wenn ich nicht zwei Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten könnte, würde es mit der Vereinbarkeit des Familienlebens und meiner Vollzeit-Tätigkeit schwierig werden“, sagt Hildegard Adamofski, aus deren Sicht sich die Stadt als Arbeitgeberin in den vergangenen Jahren in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau ordentlich zugelegt hat. Denn nicht nur die Arbeitszeitstrukturen hätten sich im Rathaus verändert, sondern auch die Arbeitskultur. „Als ich vor elf Jahren hier angefangen habe zu arbeiten, hatten wir vor allem Männer in Führungspositionen. Von denen hatten zwar auch viele Kinder, aber Erziehungs- oder Kind-krank-Zeiten wurden von ihnen nur in Ausnahmefällen übernommen. Mit den Jahren hat aber ein Umdenken stattgefunden. Viele der männlichen Kollegen stecken auch mal zurück und übernehmen größere Anteile der Betreuung ihrer Kinder“, sagt Hildegard Adamofski. Noch mehr sei das Verständnis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dann vor zwei Jahren gewachsen – als mit Dagmar Poltier eine Frau die Leitung ihres Fachbereichs übernahm. Inzwischen werden im Fachbereich Planung, Bau und Umwelt drei von sechs Fachdiensten von Frauen und zwei von Männern geleitet. Eine der Leitungspositionen ist derzeit unbesetzt. Grundsätzlich können diese bei der Stadt Geesthacht auch in Teilzeit ausgeübt werden – ein weiterer Punkt, der der Chancengleichheit diene. Denn in vielen Branchen sei es heute noch immer so, dass Frauen benachteiligt sind, weil sie wegen der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen im Job zeitlich kürzertreten. „Ich habe damals in Teilzeit den Fachdienst Soziales geleitet. Nach meiner Elternzeit konnte ich auf meinen alten Arbeitsplatz als stellvertretende Fachdienstleitung zurückkehren, ohne dass ich finanzielle oder organisatorische Einbußen in Kauf nehmen musste. Die Stadt hat es mir dann später ermöglicht, auch in Teilzeit eine Führungsposition als Fachdienstleitung im Fachdienst Soziales zu übernehmen. Hierbei konnte ich mich gezielt fortbilden und mich weiterentwickeln. Innerhalb des Hauses wurde mir dann ein weiterer Aufstieg zur Fachdienstleitung Personal ermöglicht. Ich würde daher gerade als Frau immer wieder den gleichen Weg einschlagen, mich für ein Verwaltungsstudium entscheiden und der Stadt Geesthacht treu bleiben“, sagt Alexandra Groß, Leiterin des Fachdienstes Personal.

„Durch den Equal-Pay-Day wissen viele Personen inzwischen, dass Frauen teils für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen als Männer.  Was weniger bekannt ist: Die zweithäufigste Weise der Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz zielt auf das Alter. Sehr jungen Frauen wird häufig die Kompetenz abgesprochen. Frauen zwischen Mitte 20 und 40 werden seltener bei der Vergabe von verantwortungsvollen Positionen berücksichtigt, weil sie schwanger werden könnten oder zeitweise ausfallen, weil sie sich um ihre Kinder kümmern. Frauen ab 40 können gegenüber gleichaltrigen Männern zum Teil weniger Berufserfahrung aufweisen, weil sie wegen Schwangerschaften und Erziehungszeiten phasenweise im Job pausiert oder Arbeitszeiten reduziert haben – auch das wird Frauen bei Bewerbungen zum Teil negativ ausgelegt. Und ab Mitte 40 gelten Frauen dann als alt und weniger belastbar. Das ist nicht richtig“, sagt Geesthachts Gleichstellungsbeauftragte Anja Nowatzky. Sie selber habe in ihrem Berufsleben keine Altersdiskriminierung erlebt, in ihren Beratungen sei das Thema aber präsent. „Darum ist es sehr gut und wichtig, dass die Stadt an dieser Stelle so entschieden für die Gleichberechtigung einsteht.“

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