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Schottergärten – tote Flächen für Klima und Umwelt

Stein neben Stein: Schottergärten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Doch das großzügige Verteilen von Kieseln und Co ist nicht nur eine Frage des Geschmacks – Schottergärten sind ein echtes Problem für Artenvielfalt und Klima; und sie sind in Schleswig-Holstein verboten.

Wichtig vorab: Steine müssen und sollen aus Gärten nicht verbannt werden. Aufgeschichtet bieten sie Insekten Schutz- und Nistmöglichkeiten, sind sie Untergrund für Pflanzen um Wurzeln zu schlagen. Aber wie in vielen Bereichen heißt es auch hier: Die Menge macht den Unterschied.

 „Schottergärten bestehen aus Steinflächen, in die - wenn überhaupt - nur Einzelpflanzen integriert sind. Es fehlt jede Dynamik, wie sie durch das Wachsen der Pflanzen und den Wechsel der Jahreszeiten entstehen. Die Steine überwiegen in der Gestaltung. Häufig ist unter den Steinen eine Folie oder Vlies verlegt“, erklärt Ulrike Stüber vom Fachdienst Umwelt der Geesthachter Stadtverwaltung, wann von Schottergärten zu sprechen ist. Rechtlich problematisch wird es, wenn ein bestimmter Anteil des Grundstücks durch Steine versiegelt wird:  Nach § 8 der Landesbauordnung müssen nicht überbaute Flächen der Grundstücke wasseraufnahmefähig sein und begrünt werden. „Schotterflächen gelten als versiegelte Flächen“, ordnet Ulrike Stüber ein. Errechnet wird der zulässige Anteil der überbauten Fläche mit Hilfe der so genannten „Grundflächenzahl“. Diese gibt an, wie viel Fläche eines Grundstücks überbaut werden darf. „Die Grundflächenzahl ist im Bebauungsplan oder nach § 34 BauGB geregelt. Zur Grundfläche zählen neben dem Gebäude auch Garagen, Stellplätze und Zufahrten sowie Terrassen, Wege, Gartenhäuser und Ähnliches“, erklärt Ulrike Stüber. Laut Gesetz darf nun die Grundflächenzahl für Nebenanlagen um 50 Prozent überschritten werden. Bei einem  1.000m² Grundstück mit einer Grundflächenzahl von 0,4 würden sich die Zahlen beispielsweise so darstellen: Es dürfen 400m² (40%) überbaut werden, zuzüglich einer Überschreitung von 50% dürfen für Stellplätze, Terrasse etc. weitere 200m² versiegelt werden. Die restliche Fläche von 400m² des Grundstücks muss wasseraufnahmefähig bleiben und begrünt werden.

„Daher ist auch bei der Anlage von gepflasterten Stellplätzen, Zufahrten und Terrassen die maximal zulässige versiegelte Fläche im Auge zu behalten“, sagt Ulrike Stüber. „Und diese Regelung macht gerade in Zeiten des Klimawandels Sinn“, betont sie. Denn: „Versiegelte Flächen heizen sich viel stärker auf als begrünte Flächen. Niederschlagswasser läuft oberflächlich ab, versickert nicht und reichert damit nicht das dringend benötigte Grundwasser an.“ Laut den Forschern des GERICS (Climate Service Center Germany), das ans Helmholtz-Zentrum hereon angegliedert ist, hat die Gestaltung von Grünflächen direkte Auswirkung auf das Klima. In dem Bericht „Schottergärten im Klima- und Umweltcheck“ heißt es unter anderem: Schottergärten seien schlecht fürs Mikroklima, da sich Steine im Sommer deutlich mehr aufheizen würden als begrünte Gärten. Laut den Wissenschaftlern können Gesteinsoberflächen Temperaturen über 50 ºC erreichen - das seien 12 ºC mehr als bei Grünflächen. Die Luft über dem Schotter sei zudem in 1,5 Meter Höhe um bis zu 2,5ºC wärmer. Dies fördere insgesamt die Hitzebelastung in der Stadt.

Zudem würden Schottergärten durch die Oberflächenabdichtung die natürlichen Funktionen des Bodens schädigen. Insekten, Vögel und Gartentiere finden weder Nahrung, noch Unterschlupf oder Lebensraum. Diese Gärten könnten wegen des geringen Pflanzenanteils ihre Funktion als „Luftfilter“ und „CO2-Binder“ nicht mehr ausführen. Und wenn – wie häufig der Fall – standortfremde Stauden gesetzt werden, werden die heimische Flora und Fauna verdrängt. 

Und neben diesen negativen Folgen für die Umwelt, ist noch zu bedenken: So pflegearm und kostensparend, wie es vermeintlich anmutet, sei der puristische Steinige nicht: „Schottergärten sind keinesfalls pflegeleicht. Zwischen den Steinen sammelt sich Staub, Laub, und alles was durch Wind und Regen durch die Luft transportiert wird. Das reicht nach wenigen Jahren aus, damit sich Unkraut und Baumsämlinge ansiedeln können. Dann müssen die Steine gereinigt und Folie oder Vlies erneuert werden“, erklärt Ulrike Stüber. Der Kauf von Zierkies, Flies und anderen Materialien sei zudem verhältnismäßig teuer.  Ulrike Stüber: „Trockenmauern, heimische Stauden, Wildblumen und Blumenzwiebeln sind sehr viel besser für die Förderung der Artenvielfalt, einmal angelegt sind sie pflegeleicht und zudem kostensparend.“

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