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Behelfsheim (GrundrissNach dem verheerenden Bombenangriff auf Hamburg im Sommer 1943 („Operation Gomorrah“) flohen ca. eine Millionen Menschen aus der zerstörten Großstadt in das Umland. Über ein Tausend ausgebombte Menschen kamen nach Geesthacht, vor allem Arbeiter der Rüstungsfabriken in Düneberg und Krümmel. Um diesen Menschen mit Wohnraum zu versorgen, errichteten die NS-Machthaber „Behelfsheime“. Es entstand am Hamwarder Weg anschließend an die Siedlungen Höchelsberg/Spakenberg ein ausgedehntes Behelfsheimgebiet (heute: Hansaviertel). Das Deutsche Wohnungshilfswerk (DWH) entwickelte ab September 1943 einen aus einfachen Materialien bestehenden Behelfsheimtyp, der aus zusammengesteckten Betonfertigteilen bestand und deshalb auch als „Plattenhaus“ bezeichnet wurde. Diese Häuser, die zumindest teilweise im KZ Neuengamme gefertigt wurden, fanden in ganz Norddeutschland Verwendung.


Für ausgebombte Arbeiter der Rüstungsfabriken plante die Fabrikleitung, zunächst 1.000 dieser Schnellbauwohnungen zu bauen. Aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten konnten die ersten Häuser erst ab Mitte Mai 1944 bezogen werden. Neben dem Baugebiet in der Oberstadt entstand ein weiteres Areal in der Nähe der Pulverfabrik Düneberg. Die „Nothäuser“, die mit Finanzhilfe aus Hamburg nur notdürftig über Wasser und Stromanschlüsse verfügten, wurden auf relativ großen Grundstücken Behelfsheime(400 m²) etwas entfernt von der Straße erstellt, da beabsichtigt war, nach dem „Endsieg“ das Plattenhaus als Anbau in einen Neubau zu integrieren. Bauträgerin war die „Neue Heimat“. Das Grundmaß des Behelfsheims des DWH betrug ca. 4,10 m x 5,10 m; je nach Material und Bauverfahren waren geringe Abweichungen zulässig. Das Dach wurde meist als weit auskragendes Pultdach ausgeführt, um einen regengeschützten Aufenthalt vor dem Gebäude zu ermöglichen. Wasser- und Abwasseranschluss waren nicht vorgesehen, für eine Stromversorgung sollten gegebenenfalls normierte Kabelsätze zur Verfügung stehen.


Im Inneren bestand das Behelfsheim aus zwei Räumen, die durch einen einzelnen Ofen, welcher gleichzeitig als Herd diente, beheizt wurden. Im Eingangsbereich, der als Windfang ausgeführt war, befand sich eine 60 cm tiefe Grube, die den Kühlschrank ersetzen sollte. Konnte der Bewohner das Behelfsheim nicht mit eigenen Möbeln ausstatten, so standen normierte Möbel zur Verfügung, die aus dem von der Möbelindustrie eingerichteten Kriegsauflagenprogramm stammten, welches bereits vor 1943 bestand und an die Bedürfnisse des DWH geringfügig angepasst wurde.
Bis Kriegsende wurden in Düneberg 203, in der Oberstadt 285 Behelfsheime fertig gestellt, hinzu kamen einige Fundamente und unfertige Bauten. Die letzten Behelfsheime verschwanden erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vom Stadtbild.
Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme steht ein fertiges „Plattenhaus“ zur Ansicht.

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