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Bertha von SuttnerDie entscheidende Figur in der deutschen Friedensbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts war die österreichische Schriftstellerin Bertha von Suttner.

 

1843 in Prag geboren, wurde der Sprössling eines verarmten Adelsgeschlechts (von Kinsky) 1876 Privatsekretärin bei Alfred Nobel in Paris. Damit begann eine Beziehung, die mit Unterbrechungen bis zum Tode Nobels im Jahre 1896 andauerte. Im gleichen Jahr heiratete sie Freiherr Arthur Gundaccar von Suttner. 1886/87 hielt sich die Familie von Suttner wieder in Paris auf, es entstand ein intensiverer Austausch mit Nobel über die Friedensbewegung. Ihr 1888 erschienenes Buch, Das Maschinenzeitalter. Zukunftsvorlesungen über unsere Zeit, eine politisch-philosophische Schrift gegen den Nationalismus, markierte den Beginn ihrer Friedensarbeit. Ein Jahr später erschien ihr Hauptwerk, der Roman, Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte. Der Roman stellt die Aufarbeitung einer kriegerischen Epoche dar. Im Mittelpunkt steht das Schicksal einer Frau, der Baronin Martha von Tilling, die in den Kriegen von 1859, 1864, 1866 und 1870/71 zwei Ehemänner und ihren Sohn verliert. Die Kriegshelden werden zur Revidierung ihrer bisherigen Werte geführt: „Ich habe es zu spät erkannt, dass der Schlachteneifer nichts Übermenschliches, sondern - Untermenschliches ist; keine mystische Offenbarung sondern eine Reminiszenz aus dem Reich der Tierheit – ein Wiedererwachen der Bestialität“. Der Roman entlarvte die Menschenverachtung der Politiker und des Militärs. Der an Emil Zola erinnernde Realismus, mit dem Kriegsgemetzel, Massengräber und Lazarette beschrieben wurden, schockierte und ergriff das Lesepublikum.


Das Buch wurde ein deutscher Bestseller. 1905 lag die 37. Auflage vor; es gab billige Volksausgaben mit einer Auflagenhöhe von je 60 Tausend und Nachdrucke durch weitere Verlage. Übersetzt in fast alle europäischen Sprachen, wurde es auch ein europäischer Verkaufserfolg und schließlich ein Welterfolg mit Millionen verkauften Exemplaren.


1891 regte Bertha von Suttner die Gründung der „Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde“ an (Alfred Nobel wurde Mitglied.) und nahm als deren Präsidentin am 3. Internationalen Friedenskongress in Rom teil. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des „Zentralbüros der Friedengesellschaften“ in Bern, dessen Vizepräsidentin sie wurde. Ab 1892 war sie Herausgeberin der Monatszeitschrift „Die Waffen nieder!“ und konnte namhafte Autoren wie Leo Tolstoi und Peter Rosegger für Beiträge gewinnen. Auf dem im selben Jahr stattfindenden 4. Weltfriedenskongress in Bern wurde der Capper-Moneta-Suttner-Antrag für einen Europäischen Staatenbund eingebracht. Als einzige Frau nahm Betha von Suttner teil an der von Zar Nikolaus II initiierten 1. Haager Friedenskonferenz (1899), auf der das Verbot von Dumdum-Geschossen und Kampfgasen sowie die Konvention zur friedlichen Schlichtung internationaler Konflikte durch ein Schiedsgericht (Haager Tribunal) beschlossen wurde.
1904 unternahm sie eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten von Amerika, traf Theodore Roosevelt, den damaligen amerikanischen Präsidenten, und war Teilnehmerin am Weltfriedenskongress in Boston. Selbstverständlich engagierte sie sich auch in der Frauenbewegung und war eine der Rednerinnen auf dem Internationalen Frauenkongress in Berlin, der im selben Jahr stattfand. Bertha von Suttner erhielt 1904 den Friedensnobelpreis. Die engagierte Vorkämpferin für Frieden und Frauenrechte starb im Sommer 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Die Dringlichkeit ihrer Aufgabe hat Bertha von Suttner fast prophetisch selbst gesehen. Die Schriftstellerin schrieb in ihrem 1888 veröffentlichten Buch, Das Maschinenzeitalter, folgende mahnende Sätze: „Der Militarismus hat im Maschinenzeitalter eine solche Höhe und Blüte erreicht, wie im Mittelalter die Kirchenmacht. ... Jener Punkt, wo alles, was ist, aufhören muss – der Punkt der Unerträglichkeit nämlich – , von dem war die Waffenbelastung der Welt nicht mehr fern. Aller Reichtum, alle Volkskraft, alles Leben nur auf ein Ziel – Vernichtung – hingelenkt: ein solches System muss endlich entweder die Menschheit oder sich selber vernichten. Die Steigerung der Zerstörungskraft war unabsehbar. Von dem ursprünglich geschleuderten Stein bis zur neuesten Kanone, welch ein Weg! – da war der Weg viel kürzer, welcher von dem 5.000 Schuss in der Minute feuernden Geschütz bis zu einer elektrischen Mordmaschine lag, die mit einem Schlag ein ganzes Heer vertilgen könnte – bis zu den Milinit- oder andren, noch ungenannten Sprengstoffpillen, die, aus Wolkenhöhen herunterregnend, in ein Paar Sekunden eine Stadt zertrümmern würden“.

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