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Kernforschungsschiff „Otto Hahn“ im Hamburger Hafen im Juni 1970Den Anfang für den Bau des Schiffes machte 1960 die Ausschreibung der GKSS, Ges. für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH, Geesthacht, über ein nuklear angetriebenes Handelsschiff mit der Betonung des Vorranges von Forschungsaufgaben. Deutsche Werften lieferten 1961 Vorschläge für ein Schiff ab, welches sich für den Einbau einer solchen Antriebsanlage eignen könnte. Ursprünglich war ein Tanker vorgesehen, die GKSS hatte jedoch auch Alternativen erbeten: So fiel die Wahl auf einen Erzfrachter, wie er von den Howaldtswerken-Deutsche Werft angeboten worden war. Als Reaktor war zum damaligen Zeitpunkt noch ein Typ mit organischem Moderator und Kühlmittel (OMR) vorgesehen. Im Laufe des Jahres 1962 nahm man von diesem Typ jedoch wieder Abstand, da technische Schwierigkeiten sein wirtschaftliches Potential zunichte gemacht hatten. Am 27. November 1962 wurde im Hamburger Hotel Atlantic der Werftbauvertrag unterzeichnet. Ein Jahr später konnte aus den Angeboten verschiedener Reaktorbauer auch der Antrieb festgelegt werden.


Das Schiff wurde zwischen 1963 und 1968 in Kiel gebaut, wobei die Arbeiten am nuklearen Antrieb den größten Teil dieser Zeit beanspruchten: Die Schiffshülle war bereits im Sommer 1964 in Beisein ihres Namensgebers getauft worden. Als Antrieb hatte man sich für einen fortschrittlichen Druckwasserreaktor von Babcock-Interatom mit Wasser als Kühlflüssigkeit und Moderator im Primärkreislauf entschieden. Im Sekundärkreislauf wurde der Antriebsdampf für die konventionelle Dampfturbine erzeugt. Heute lagert nur noch der Druckbehälter bei der GKSS in Geesthacht.


Die "Otto Hahn" war ein Forschungsschiff. Man wollte mit ihr Erfahrungen für zukünftige Nuklearschiffsanlagen sammeln, sie jedoch gleichzeitig bereits im quasi-kommerziellen Einsatz als Erzschiff verwenden. Da die "Otto Hahn" ausländische Häfen nicht in gewünschtem Umfang für Atomschiffe öffnen konnte, wurde das Experiment 1979 schließlich eingestellt. Auch für die in den 70er Jahren erdachten Containerschiffe NCS 80 und NCS 240 fand sich kein Reeder, der trotz staatlicher Förderung ein solches Schiff selbst in Auftrag geben wollte. 1982 wurde die "Otto Hahn" zu einem Containerschiff mit Dieselantrieb umgebaut und fuhr einige Jahre für eine griechische Reederei unter dem Namen Madre.


Die Stilllegung (mit dem Atom-Antrieb) erfolgte nach insgesamt 650.000 Seemeilen. Dabei sind 33 Häfen in 22 Staaten angelaufen worden. Während ihrer Betriebszeit hatte die "Otto Hahn" jedoch hauptsächlich Häfen in Südamerika und Afrika anlaufen dürfen, viele davon nur einmal durch eine Ausnahmegenehmigung. Eine Passage durch den Suez- oder den Panamakanal hatte man ihr stets verwehrt. International gültige Richtlinien für die Betreiber von Kernenergieschiffen waren trotz zahlreicher Seerechtskonferenzen in den 60er Jahren nie zustande gekommen. Die letzte Reise des Schiffes nach Durban ist beschrieben in dem Roman Der Abschied von Lothar-Günther Buchheim.


Ab 1969 war für mehr als zehn Jahre Heinrich Lehmann-Willenbrock Kapitän der "Otto Hahn". Das ehemalige Bugwappen der "Otto Hahn" ist heute auf einer Wiese hinter dem Freibad in Geesthacht zu finden. Die Schiffsglocke befindet sich bei der GKSS im Archiv. Der Schornstein, der mehr eine "Zierfunktion" hatte, steht auf dem Außengelände des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven. Er wurde nur beim Einsatz der Hilfsmaschinen benötigt.

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