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Nobelplatz in Krümmel nach dem Bombenangriff vom 7. April 1945Am 3. Februar 1945 verfasste der Geesthachter Bürgermeister Dr. Harald Boysen einen Aufruf. Er zitierte die Rede Adolf Hitlers vom 30. Januar 1945: „Ich erwarte von jedem Deutschen, dass er deshalb seine Pflicht bis zum äußersten erfüllt, dass er jedes Opfer, das von ihm gefördert werden muss, auf sich nimmt“. Boysen ergänzte diese Parolen: „Indem ich diese Worte jedem ins Gedächtnis zurückrufe, fordere ich zu äußerster Pflichterfüllung auf“. Es galten die Führerbefehle der „gebrannten Erde“ und der Verteidigung „bis zum letzten Tropfen deutschen Blutes“.


Diese Reden hatten keinen Einfluss mehr auf den Ausgang des Krieges. Er stand schon fest. Bereits im September 1944 wurden dennoch jeweils in Geesthacht und Lauenburg/Elbe Volkssturm aufgestellt. Die NS-Machthaber rüsteten sich für den Endkampf. Ab dem 12. Februar 1945 wurden sogar die Frauen reichsweit zum Volkssturm aufgerufen. Inwieweit diese letzten verzweifelten Anordnungen der Reichsleitung in der Region befolgt wurden, ist unbekannt.


Anfang April 1945 erreichte der „totale Krieg“ (Joseph Goebbels) den Kreis Herzogtum Lauenburg. Am 7. April wurden die großen Geesthachter Rüstungsfabriken Düneberg und Krümmel erstmals auf der Luft angegriffen. Warum erst zu diesem späten Zeitpunkt ein derartiger Angriff erfolgte, kann bis heute nicht eindeutig erklärt werden, zumal die Alliierten selbst die Fabriken als kriegswichtig einstuften und durch Luftaufnahmen von deren Umfang gut unterrichtet waren. Als Vermutung wird angegeben, dass schwedisches Kapital in der Firma Nobel vorhanden war. Die Alliierten wollten möglicherweise die neutralen Schweden nicht durch einen Luftangriff „ärgern“. Eine andere Erklärung lautet: Die Engländer wollten die Fabriken weitgehend unzerstört als Kriegsbeute in die Hände bekommen, zwecks Demontage. Gegebenfalls spielte auch das schnelle Vorrücken der Roten Armee eine Rolle bei der Entscheidung der Engländer, das Werk anzugreifen.


Der Angriff auf Düneberg und Krümmel durch die US-Air Force erfolgte gegen 13.00 Uhr. Nach Auskunft eines Heimatforschers fielen 834 Bomben auf das Werk Düneberg. Die Einschläge wurden auf einem Fabrikplan eingezeichnet. Die Produktion musste daraufhin eingestellt werden. Auf dem Gebiet der Fabrik Krümmel fielen ca. 1.000 Bomben. Der gesamte Angriff auf beiden Fabriken dauerte zehn Minuten. Der Geesthachter Polizei-Oberleutnant Bruhn berichtet in seinen Aufzeichnungen von 82 Toten in der Fabrik Krümmel, 26 Toten im Ortsteil Krümmel und insgesamt 67 Verletzten sowie 67 Toten im Werk Düneberg und sieben Toten in der Stadt. Am 15. April wurden die Toten, darunter Deutsche, Zwangsarbeiter und andere Ausländer, auch einer Trauerfreier im Lager Spakenberg auf dem Friedhof beigesetzt. Als Redner trat unter anderem der Kreisleiter der NSDAP auf. Während die Opfer beerdigt wurden, ertönten weitere Durchhalteparolen über die Gräber.


Ein Zeitzeuge: „Im April ging es richtig los, man sah die schon herunterkommen, die Bomben, und dann sind wir in den Keller hinein. Da saßen wir gut eine Stunde. Dann haben wir vorsichtig herausgeguckt und die ersten Toten von Krümmel gesehen. Sie kamen in kleinen Munitionskisten. Das war von uns vis-à-vis, Schützenplatz, und da wurden sie alle hingestellt. Die ganze Wiese stand voll, und dann kamen tagelang die Angehörigen. Das war schrecklich“.

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