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Carl BungIn den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde gespottet, Geesthacht habe "einen Kommunisten" als Bürgermeister. Dies beruht auf der Vita von Carl Bung, der am 19. April 1893 in Curslack (Hamburg) geboren wurde und am 1. Dezember 1917 die Geesthachterin Paula Haack heiratete.


Der Bauarbeiter gehörte dem linken Flügel der Geesthachter SPD an und wechselte über die USPD 1920 zur KPD. Bung beteiligte sich im März 1921 am "Kommunisten-Aufstand", als die Geesthachter Post und die Sprengstoff-Fabriken in Krümmel und Düneberg besetzt wurden und erhielt eine Haftstrafe von zehn Monaten Gefängnis. 1927 trat er wieder in die SPD ein, wurde 1930 erstmals in die Stadtvertretung gewählt und erlebte die Machtübernahme der NSDAP im Frühjahr 1933 - mit Verhaftungen, Parteienverboten und der Neuzusammensetzung der Stadtvertretung nach dem Ergebnis der Reichtags-"Wahl" vom 5. März - als Vorsitzender der SPD-Fraktion.


Mehrfach wurde Bung von den Nationalsozialisten verhaftet und verhört, bis ihn sein Arbeitgeber, der Bauunternehmer Emil Hackmack, zum Autobahnbau nach Österreich schickte. In der Nacht zum 23. August 1944 wurde Bung bei der berüchtigten "Gewitteraktion", der Verhaftungswelle nach dem gescheiterten Attentat auf Reichskanzler Adolf Hitler, in Geesthacht festgenommen und in das Konzentrationslager in Neuengamme gebracht. Hackmack erreichte nach sechs Wochen die Freilassung, da Bung für seinen Betrieb unverzichtbar wäre. Nach Ende des "III. Reiches" wurde im September 1945 in Bungs Haus an der Hegebergstraße der SPD-Ortsverein wieder gegründet. Bung wird als erstes Mitglied genannt, Eintrittsdatum 13. September. Auch beim Wiederaufbau der Gewerkschaften beteiligte er sich.


Im Herbst 1945 wurde der 52-Jährige von der britischen Militärregierung zum Stadtvertreter ernannt und in der Sitzung vom 15. Dezember mit 12:11 Stimmen gegen seinen einstigen politischen Weggefährten August Ziehl (KPD) zum Bürgermeister gewählt. Dies war noch ein Ehrenamt, da die Führung der Stadtverwaltung dem Stadtdirektor Ernst Kaiser oblag.
Nach der ersten Kommunalwahl nach Ende des Zweiten Weltkrieges im September 1946 wurde die Gemeindeordnung erneut geändert: Der hauptamtliche Leiter der Stadtverwaltung sollte nun der Bürgermeister sein. Carl Bung stellte sich am 14. April 1950 zur Wahl, gegen den CDU-Kandidaten, Stadtdirektor Ernst Kaiser - und siegte mit 13:11 Stimmen. Zum ersten Bürgervorsteher Geesthachts wurde Felix Ellermann (SPD) gewählt, mit 23:1 Stimmen.


Der Name Carl Bung ist mit den "Aufbaujahren" Geesthachts verbunden, vor allem mit dem damaligen Stadtkämmerer Karl Schmeckthal. Die Aufforstung der kahlen Heidberge als Notstandsarbeit, Handschuh-, Strumpf- und Hutfabrik, die Wilhelmsburger Maschinenfabrik und der allmähliche Aufbau des GKSS-Forschungszentrums (1956 gegründet) prägen diese Zeit - wie auch der Bau des Krankenhauses, die Planung an Pumpspeicherwerk und Staustufe.
Am 31. März 1958 trat Bung, der für die SPD auch elf Jahre im Kreistag gewirkt hat, aus gesundheitlichen Gründen auf eigenen Wunsch als Bürgermeister ab. Der passionierte Angler und Jäger starb am 3. November 1967 in Geesthacht.

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