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Rudolf LilieAm 4. Juli 1933, nur einen Tag nach der Verabschiedung von Bürgermeister Walter Bornemann, beantragte Ratmann Friedrich Juhls (NSDAP) in der Stadtvertretung zum Thema Bürgermeister: "Die Wahl Ratmannes Rudolf Lilie mit sofortigem Dienstantritt unter Verzicht auf geheime Wahl. Dagegen wurde Widerspruch nicht erhoben. Ratmann Juhls stellte fest, dass Ratmann Lilie widerspruchslos gewählt worden sei."

Lilie war der erste NSDAP-Bürgermeister in Geesthacht. Er wurde am 2. Februar 1904 in Hamburg geboren, wuchs in Geesthacht auf, ging in Bergedorf zur Realschule und erlernte das Glaserhandwerk. Anschließend volontierte er in einer Hamburger Kunsthandlung und übernahm 1925 das Geschäft seines Vaters Henry in Geesthacht. Im Frühjahr 1930 zählte er zu den Gründern der NSDAP-Ortsgruppe Geesthacht. Lilie wurde deren Vorsitzender, Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft, bei den vorgezogenen Neuwahlen 1932 auch Ratmann in Geesthacht und 1933 stellvertretender NSDAP-Kreisleiter. Er pflegte gute Kontakte zum Hamburger Reichsstatthalter Karl Kaufmann, der mehrfach Geesthacht besuchte.

Die weitere "Gleichschaltung" von Vereinen, Verbänden, Institutionen und Behörden im Sinne der NSDAP, Verhaftungen, Notstandsarbeiten, der Bau der HEW-Siedlung (schon vor 1933 geplant) und die Wiederaufrüstung der Sprengstoff-Fabriken in Düneberg und Krümmel (ab 1936), verbunden mit dem allmählichen Abbau der Arbeitslosigkeit, fallen in Lilies Amtszeit. Seit November 1933 bestand die Stadtvertretung nur noch aus Nationalsozialisten.

 Am 24. März 1937 erklärte Rudolf Lilie seinen Rücktritt. Laut Familienangehörigen wurde er erpresst, weil er jüdische Vorfahren hatte. Ein Partei-Ausschlussverfahren wurde eingeleitet und durch einen Erlass von Adolf Hitler beendet. Lilie durfte Parteimitglied bleiben. Ein weiterer Grund für sein Ausscheiden wird gewesen sein, dass Geesthacht nach dem "Groß-Hamburg-Gesetz" zum 1. April 1937 von Hamburg nach Schleswig-Holstein wechselte. Lilie blieb aber noch kommissarisch im Amt.

Nach seinem Ausscheiden als Bürgermeister war Rudolf Lilie als Angestellter bei der Landherrenschaft Hamburg tätig, Geschäftsführer der Wohnungsverwaltungs-Gesellschaft. Ab 1941 war er Obergefreiter der Wehrmacht und wurde nach dem  Kriegsende von den Briten in zivile Internierungshaft im Konzentrationslager in Neuengamme genommen. Erst im November 1947 kam er wieder frei.

Mit fast 50 Jahren machte Rudolf Lilie noch seine Prüfung zum Glasermeister. Er starb am  26. Dezember 1976 in Geesthacht.

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