Hilfsnavigation
Rathaus
© Stephan Darm 
Quickmenu
Volltextsuche
Icon FacebookIcon TwitterIcon FlickrHilfe
Seiteninhalt

Jugendherberge 1935Von der Jugendbewegung zur Jugendherberge

„Das Wandern ist des Müllers Lust“ – so lautet ein altes Volkslied. Man mag hinzu setzen: Nicht nur des Müllers Lust. Mit der zunehmenden Mobilität des Industriezeitalters kam das Wandern als verbreitete Volks- und Freizeitbeschäftigung erst richtig auf. Sie erfasste die Jugend um 1900, es war die Zeit der „Jugendbewegung“. 1896 wurde eine erste Wandergruppe im deutschen Raum in Steglitz gegründet, in den folgenden Jahren kamen zahlreiche weitere Gruppierungen hinzu. In den zwanziger Jahren sind große Verbände wie Wandervogel und Pfadfinder als Dachorganisationen entstanden. Zu Begin des 20. Jahrhunderts begannen auch die Schulen, Wandertage und gar mehrtägige Ausflüge zu ihrem pädagogischen Angebot zu machen. Gerade die Hamburger Schulen nutzten gerne das schöne Umland im Lauenburgischen für Ausflüge.

Die wandernde Jugend brauchte preisgünstige und zuverlässige Unterkunft. So kam es zur Gründung der ersten Jugendherbergen, die eine ursprüngliche deutsche Einrichtung sind.  Die erste Jugendherberge wurde 1909 in Altena (Westfalen) gegründet, der nationale Verband 1910. In den zwanziger Jahren sind Jugendherbergen international entstanden. 1932 gründete man in Amsterdam einen Internationalen Verband der Jugendherberge.

 

Himmelfahrt 1928 – Eine Jugendherberge für Geesthacht

Die Bergedorfer Zeitung berichtet von der Einweihung der Geesthachter Jugendherberge im Mai 1928: „Die Hamburger Ortsgruppe für Deutsche Jugendherbergen e.V. konnte am Himmelsfahrtstag ihre erste Jugendherberge im Hamburger Landgebiet, die Jugendherberge Geesthacht, feierlich ihrer Bestimmung übergeben. An der Feier nahmen u.a. Senator Eisenbarth, der Chef des Hamburger Jugendamtes, Schulrat Jelck von der Oberschulbehörde, Bürgermeister Weltzin-Geesthacht und das Jugendamt Bergedorf teil“. Das Ereignis wurde ausgiebig gefeiert. Die Stadt sah in der Neugründung eine weitere Belebung des Fremdenverkehrs, der für den wirtschaftlich angeschlagenen Ort von großer Bedeutung geworden war. Die Jugendherberge war der erste Bau auf dem Runden Berg.

Die Geesthachter Einrichtung gilt als dritte Jugendherberge Hamburgs. Der Bauplatz auf dem Runden Berg wurde von der Stadt Geesthacht zur Verfügung gestellt. Finanziert wurde der Bau mit Hilfe von Hamburger Staatsgeldern und einigen Amortisationshypotheken. Es mussten 40.000 RM aufgebracht werden. Gebaut wurde die Herberge vom Architekten Gerhard Langmaack aus Hamburg. Um die Herberge wurde ein schöner Spiel- und Ziergarten angelegt. Damals konnte man von diesem hervorragenden Standort weit ins Land sehen. Über die Vierlande nach Hamburg und über die Winsener Marsch nach Lüneburg konnte man weit blicken. Der Standort war günstig gewählt, denn er lag am beliebten Wanderweg von Hamburg aus am Elbhang entlang über Lauenburg/E. nach Boizenburg.

Die Herberge hatte bei ihrer Entstehung Platz für 48 Personen in Betten und für 24 Personen Platz auf einem Matratzenlager. Sie hatte Zentralheizung von der Küche aus, eine Kochgelegenheit mit Münzgas, Waschräume mit Brausebad, zwei Lagerräume und eine Wohnung für die Herbergseltern.

Für die Nacht war eine Toilette mit Spülung im Hause vorhanden und eine weitere auf dem Hof mit Fäkalienabfuhr.

 

Jugendherberge 1975

Hilfskrankenhaus und Erweiterungsbauten

Das Gebäude erfuhr im Laufe der Jahre mehrere Um- und Ausbauten. Bereits 1936 wurde ein neuer Flügel angebaut – ein Beleg für die Beliebtheit der jungen Einrichtung. Von 1945 bis 1951 war ein Hilfskrankenhaus in dem Gebäude untergebracht. Als der Herbergsbetrieb 1952 wieder aufgenommen wurden, standen 152 Schlafstätten zur Verfügung. Die Bettenzahl änderte sich über die Jahre, als die Jugendherberge mit modernem Komfort ausgestattet wurde. 1976 erfolgte ein weiterer Anbau und eine durchgehende Modernisierung. Zwanzig Jahre später kam ein neues Bettenhaus (Vorbau) mit 40 Betten. Die Herberge wurde erneut saniert. Bei allen Bau- und Sanierungsmaßnahmen half die Stadt mit großzügigen Finanzspritzen.

 

75 Jahre später – eine moderne Einrichtung

Seit 1996 bietet die Jugendherberge in Geesthacht den Gästen 121 Betten in 3-, 4-, 5- und 6-Bettzimmern an. 24 von 30 Zimmer sind mit Waschbecken ausgestattet. Die Duschräume und Toiletten sind auf den Fluren. Mehrere Zweitbettzimmer mit Waschbecken und separaten Sanitäreinheiten stehen den Gruppenleitern und Familien zur Verfügung. Herbergsleiter ist seit 1999 John Isernhagen, dessen Eltern und Großeltern Herbergseltern waren.

Nach der Modernisierung im Jahr 1996 ist sie auch voll behindertenfreundlich ausgestattet. Auf dem Gelände steht ein Bolzplatz, ein Basketballplatz, eine Tischtennisplatte und ein Grillplatz den jungen und älteren Gästen zur Verfügung.

Genutzt wird die Jugendherberge auch als Seminar- und Tagungsstätte.

Die Geesthachter Herberge ist die meist benutzte Unterkunft der Stadt. 1952 gab es   9.259 Übernachtungen, 1991 waren es ca. 17.600 und 2002 zählte man 13.500.

Zum Seitenanfang (nach oben)