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Hans EidigZu den schillerndsten Figuren der Forstgeschichte des Sachsenwaldes gehört der Wildschütze bzw. -dieb Hans Eidig.  Eidig stammte aus einer Försterfamilie in der Lüneburger Heide. Er wurde am 27. Januar 1804 in Klein-Klecken bei Harburg geboren. Auch er wollte eine Försterlaufbahn einschlagen, ihn reizte jedoch zu sehr die – private – Jagd, eine Leidenschaft, die mit dem damaligen herrschaftlichen Jagdrecht nicht harmonierte. Nach mehreren abenteuerlichen Begegnungen mit den Behörden im Hannoverschen zog sich Eidig 1832 auf der anderen Elbeseite ins Lauenburgische zurück. Hier nutzte er die unterschiedliche polizeiliche Zuständigkeit im Raum um Geesthacht, Gülzow und den Sachsenwald geschickt aus, um weiteren Verfolgungen zu entgehen.

Unterstützt von der Bauernschaft, ging er mit großem Erfolg der Wilddieberei nach. Er teilte seinen Gewinn mit den Bauern, denen das Wildbret und der Schutz gegen die Wildschäden willkommen waren. Die hamburgische Dorfschaft Geesthacht machte er zu seinem Hauptstützpunkt, hier zeugte auch ein uneheliches Kind. Mit dem Händler Johann Franck aus Geesthacht baute Eidig ein regelrechtes Geschäft mit Wildfleisch auf. Hauptabsatzmarkt für den Handel war Hamburg. Eidig ging häufig mit Helfern auf die Pirsch ins Lauenburgische und hatte bald den Wildbestand im Adligen Gericht Gülzow stark reduziert. Danach wandte er sich verstärkt dem Sachsenwald zu.

 

Es gelang der Obrigkeit nicht, dem schlauen Wilddieb das Handwerk zu legen. Förster und Polizei veranstalteten regelrechte Treibjagden auf ihn, aber stets entwischte der „Robin Hood des Sachsenwaldes“. Bald erschien sein Bildnis auf Pfeifenköpfen, Tassen, Tabaksdosen und sogar als Stickerei auf Kissen. Über ihn sangen Bänkelsänger auf Jahrmärkten Lieder zur Drehorgel, deren Texte auf Fliegenden Blättern für wenige Pfennige an die Besucher verkauft wurden. Er wurde zum Volkshelden. Um sein Leben und Wirken entstanden Legenden und Gedichte, die noch heute in älteren bäuerlichen Familien weiter erzählt werden. Einmal soll er einem Forstbeamten auf 80 Schritt Entfernung einen Stiefelabsatz weggeschossen haben, ohne Ross und Reiter zu verletzen, einem anderen einen Knopf von der Uniform, einem dritten jagte er eine Kugel durch den Hut. Einstmals soll er in einer Schänke einen Gendarm, der wegen seines groben Auftretens reichlich unbeliebt war, vor dem Volk durchgeprügelt und ihn durch das Fenster auf die Straße befördert haben – in bekannter „Lucky-Luke-Manier“.

Der Schwarzenbeker Amtmann Friedrich Seestern-Pauly erfand endlich eine List. Er ließ Eidig über Mittelsmänner wissen, dass es in den Wäldern Amerikas nur so vom Wild wimmelte, wo er freie Jagd hätte. Das Amt bezahlte die Überfahrt für ihn und seine Ehefrau Catharine. Der Umzug des Helden zum Schiff nach Hamburg gestaltete sich zum regelrechten Volksfest. Es erschienen Zeitungsartikel und Flugblätter, die Eidigs Abendteuer verbreiteten. 1835 kam er mit seiner Frau in New York an, wo er Ende 1836 oder Anfang 1837 ums Leben kam – vermutlich erschossen bei der Jagd auf einem privaten Grundstück. Überliefert ist, dass seine Witwe im April 1837 nach Hamburg zurückkehrte. Um sein Leben und Wirken entstanden Legenden und Gedichte, die noch heute in älteren bäuerlichen Familien weiter erzählt werden.

 

Der Hamburger Illustrator und Lithograf Otto Speckter porträtierte ihn. Die Originalzeichnung trägt vermutlich Eidigs einzig erhaltene Unterschrift „Johann Chirstophfer Eidig“ und dürfte 1835 anlässlich seiner Auswanderung nach Amerika entstanden sein.

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