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21.10.2019

Einwohner haben das Wort

Eine Fährverbindung zwischen Grünhof-Tesperhude und Tespe, eine zusätzliche Straßenüberquerung „Am Schleusenkanal“ und mehr Sicherheit für Radfahrer an der Sandstraße: Mit diesen drei Themen wird sich die Geesthachter Ratsversammlung in einer ihrer nächsten Sitzungen beschäftigen – weil Geesthachter Einwohner es so möchten. Die Vorschläge wurden während der Einwohnerversammlung Mitte Oktober im kleinen Theater Schillerstraße (kTS) formuliert und hatten dort die Mehrheit der anwesenden Einwohner überzeugt. Drei Monate hat das höchste Gremium der Stadt nun Zeit, sich mit den Anregungen zu beschäftigen – so sieht es die Geschäftsordnung vor.

„Eine direkte Verbindung von Grünhof-Tesperhude zur anderen Elbseite wäre doch eine Attraktion, vor allem für Radfahrer“, regte Torsten Wilms an und erntete mit diesem Vorschlag nicht nur Applaus aus den Reihen der mehr als 70 Geesthachter, die zur ersten Einwohnerversammlung seit vielen Jahren gekommen waren. Bürgermeister Olaf Schulze stand der Idee grundsätzlich offen gegenüber. Eine Fähre für Fußgänger und Radfahrer sei eine Überlegung wert, kommentierte der Verwaltungschef den Vorschlag, der nun von der Ratsversammlung diskutiert wird. Ebenfalls auf die Tagesordnung des Gremiums wird es die Straße „Am Schleusenkanal“ schaffen. Denn der Geesthachter Lukas Franke kritisierte, dass die Straßenüberquerung im Bereich der dortigen Bushaltestelle verbessert werden sollte. Die Mehrheit der anwesenden Einwohner stimmte ihm zu, wodurch das Thema eines der Ratsversammlung wird. Genauso verhält es sich mit einer Anregung von Hans-Hermann Wulff. Er lobte zunächst die neuen Fahrradrouten, die eingerichtet worden sind, bat aber „aus Sicherheitsgründen“ um eine farbliche Hervorhebung eines Bereiches für Radfahrer an der Sandstraße.

Nicht in die To-Do-Liste der Ratsversammlung aufgenommen, aber von der Verwaltung beantwortet, wurden zahlreiche Nachfragen zum Rad- und Automobilverkehr, die sich zum Teil aus vorherigen Ausführungen von Bürgermeister Olaf Schulze ergaben.  Der Verwaltungschef hatte passend zum Thema der öffentlichen Veranstaltung „Nachhaltige Stadt Geesthacht“ viele Bereiche der städtischen Infrastruktur angesprochen – und unter Nachhaltigkeitsaspekten eingeordnet. „In Geesthacht sind wir bereits dabei, etwas aktiv gegen den Klimawandel zu tun“, machte Bürgermeister Olaf Schulze zu Beginn der von Bürgervorsteher Samuel Walter Bauer geleiteten Einwohnerversammlung deutlich, dass die Elbestadt bereits bei vielen Fragen das Prinzip Nachhaltigkeit mitdenkt. „Wir sind bereits ein ganzes Stück vorangekommen. Aber das Thema Nachhaltigkeit ist nicht mit einer Entscheidung umgesetzt, sondern ein Prozess“, ordnete er mit Blick auf die ehrgeizigen Ziele der Stadt ein. Diese hatte sich im November 2017 zur „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen bekannt und die Unterstützung der darin 2015 formulierten 17 Nachhaltigkeitsziele am 27. Juni 2018 per einstimmigem Ratsversammlungsbeschluss erneut bekräftigt. Das heißt: Wie die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen möchte Geesthacht in möglichst allen Lebensbereichen verantwortungsvoll mit den vorhandenen Ressourcen umgehen - unter anderem die Gleichberechtigung der Geschlechter durchsetzen, allen Menschen Gesundheit, Bildung, sauberes Wasser und Gerechtigkeit zuteilwerden lassen. Laut Agenda 2030 soll bei allen Überlegungen der Mensch im Mittelpunkt stehen und die Erde geschützt werden, Frieden und Wohlstand sollen gefördert und Partnerschaften aufgebaut werden.

Zur Umsetzung dieser Ziele gehört es zunächst einmal, sich ihre Bedeutung immer wieder bewusst zu machen, verdeutlichte Bürgermeister Schulze. So weist die Stadtverwaltung beispielsweise seit 2019 in jeder Sitzungsvorlage für die Ratsversammlung und Ausschüsse aus, welche Nachhaltigkeitsziele von dem jeweiligen Beschluss betroffen wären. Weitere Beispiele: Bei der Auftragsvergabe wird Nachhaltigkeit künftig eine größere Rolle spielen. So sollen Ausschreibungen entsprechend formuliert werden, dass nur noch Firmen Aufträge erhalten, die bestimmte Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Mit Anja Nowatzky hat Geesthacht eine Gleichstellungsbeauftragte, die für das Thema Gleichstellung der Geschlechter sensibilisiert. Zudem soll die ausschließlich männliche Führungsriege der Fachbereichsleiter des Rathauses aufgebrochen werden. Schulze: „Im Bereich Führungspersonen haben wir noch Nachholbedarf. Bisher haben wir keine Frau in der Fachbereichsleitung.“

Für nachhaltigen Handel und Biodiversität möchte Geesthacht mit einem Stadtplan, der gerade entwickelt wird, sensibilisieren. Darin sollen unter anderem die Orte, die Fairtrade-Produkte anbieten – Geesthacht kann sich als erste Stadt im Kreis Fairtrade-Town nennen – und Streuobstwiesen markiert werden.

Das Thema nachhaltige Mobilität (Ziel 9 der Agenda 2030) geht Geesthacht auf mehrfache Weise an: So zahlt die Stadt beispielsweise jährlich mehr als 500.000 Euro für den innerstädtischen ÖPNV. Allein die Stadtverkehrskarte bezuschusste die Stadt 2018 mit rund 72.000 Euro. So zahlen ÖPNV-Nutzer im Stadtgebiet nur 1,70 Euro pro Fahrt, das ist weniger als der HHV-Tarif innerhalb des Herzogtums Lauenburg vorsieht. Zudem baut Geesthacht die Infrastruktur für Radfahrer aus, hofft auf einen Bahnanschluss und einen Radschnellweg.

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