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30.04.2020

41 Jahre Planungsarbeit für die Stadt: Andreas Schröder geht in den Ruhestand

Die Fußgängerzone, Deich und Spundwand nahe der Schleuse, unzählige Straßendecken und Kanäle im ganzen Stadtgebiet: Jede Geesthachterin und jeder Geesthachter müssten mindestens eine Baumaßnahme kennen, an der Andreas Schröder beteiligt war. Seit 1979 arbeitet er im Fachdienst Tiefbau der Geesthachter Stadtverwaltung – 41 Jahre Planungsarbeit für die Elbestadt, in denen er das Stadtbild Geesthachts entscheidend mitprägte. Ende April geht er nun in den Ruhestand.

„Natürlich freue ich mich darauf, jetzt Verantwortung abzugeben. Aber der Abschied fällt mir auch schwer. Ich habe viele interessante Projekte begleitet und ich verliere nun meine Kollegen – man kann einfach nicht von heute auf morgen Schluss machen“, sagt Andreas Schröder, der seit 2003 den Fachdienst Tiefbau leitet. Was seine vielen Projekte in den mehr als 40 Jahren im Dienste der Stadt Geesthacht einte? Der Spagat zwischen der technisch besten Variante, dem städtischen Haushalt und den vielen persönlichen Interessen der Geesthachter Bürgerinnen und Bürger. Denn Andreas Schröders Metier ist der Straßenbau – die durch ihn und sein Team realisierten Maßnahmen werden also nicht nur aus öffentlichen Geldern bezahlt, sondern sind auch öffentlich sichtbar. Zudem wurden über viele Jahre auch Anlieger an Straßenausbauten finanziell beteiligt. „Das war oft keine einfache Gemengelage - alle sehen es, alle bezahlen es“, bringt Andreas Schröder auf den Punkt. „Als Ingenieure haben wir immer den Blick auf die langfristige Auswirkung einer Maßnahme. Lieber gebe ich im Verhältnis zunächst mehr Geld aus und habe dafür langfristig mehr davon – zum Beispiel einen geringeren Unterhaltungsaufwand. Das ist bei Baumaßnahmen wie bei Kleidung. Kaufe ich günstig und dafür minderwertig ein, kann ich sie nach einem halben Jahr wieder wegwerfen. Eine gute, hochwertigere Jacke habe ich mehrere Jahre. Es muss aber natürlich immer alles im Verhältnis sein.“

Gut gelungen sei dieses Verhältnis beispielsweise in der Fußgängerzone. Andreas Schröder nennt ihre Umgestaltung rückblickend als einen Höhepunkt seiner Zeit bei der Stadtverwaltung Geesthacht. „Das ist ein Objekt von 11 Jahren und drei Bürgermeistern. Mit Ingo Fokken hat es angefangen, unter Volker Manow lief die Planungsphase und mit Olaf Schulze schließlich die Einweihung“, erinnert Andreas Schröder. „Das war ein Highlight von der Dauer her, von der Schwierigkeit her und hinsichtlich der Akzeptanz der Maßnahme. Wir haben uns die ersten sieben Jahre zum Beispiel nur über Bäume unterhalten“, schildert Andreas Schröder ein Beispiel dafür, wie tief Verwaltung, Politik und Einwohner teilweise in die Diskussion eingestiegen sind. Immerhin ging es um nichts Geringeres als das „Wohnzimmer“ der Geesthachterinnen und Geesthachter. Die Fußgängerzone sollte durch die Planungen nicht nur ein neues Pflaster erhalten, die Einkaufsstraße bekam neues Mobiliar, ein Wasserspiel und weitere Elemente, die ihre Optik vollkommen verändern sollten – und für Stadt wie Anlieger Ausgaben bedeuteten. 2014 lagen schließlich alle Genehmigungen und die Haushaltsmittel waren vor, 2017 wurde die umgestaltete Bummelmeile offiziell eingeweiht. „Das war eine schwierige Geburt. Aber das Ergebnis ist sehr schön geworden“, resümiert Andreas Schröder.

„Was ähnlich schwierig war, war der Hochwasserschutz“, nennt der Tiefbauingenieur ein weiteres Projekt, das unter seine Top 5 zählt. Im Jahr 2000 habe er sich damit befassen müssen, dass im Bereich der Schleuse ein Stück Hochwasserschutz fehlte. Nach vielen Gesprächen seien Zuschüsse eingeworben worden, 2010 habe die Umsetzung begonnen. Insgesamt zwei Kilometer Hochwasserschutz entstanden – davon ein Kilometer Deich und etwa ein Kilometer Spundwand. „Von der Hinterkante der Schleuse bis zum Betriebshof des Wasser- und Schifffahrtsamtes wurde Spundwand gerammt, weil man keinen Platz hatte für einen Deich“, erklärt Andreas Schröder, den viele Geesthachterinnen und Geesthachter nur mit seiner Mütze und auf dem Fahrrad kennen. „Das war ein riesen Projekt. Etwa 6 Millionen Euro Planungskosten waren es damals. Das war die größte Baumaßnahme von den Kosten her, die ich gemacht habe. Die Fußgängerzone waren ‚nur‘ 4,5 Millionen Euro. Das war eine spannende Zeit mit aufwendigen Planungen.“

Planerisches und kommunikatives Geschick war auch bei einem anderen Projekt im Stadtzentrum gefragt: Die Umgestaltung des Bereiches rund um die St. Salvatoris-Kirche. Andreas Schröder: „Wir haben dort Städtebauförderung gemacht. St. Salvatoris war für mich von der optischen und gestalterischen Seite her zusammen mit der Fußgängerzone die aufwendigste Maßnahme. Und um das Projekt St. Salvatoris gab es ähnlich wie um die Fußgängerzone lange Diskussionen. Die Straßen waren dort kaputt, es lagen keine Kanäle drin… Wir haben dort zum Beispiel eine hübsche Mauer an der Kirche gebaut – natürlich unter Denkmalschutzauflagen. Es war ein riesen Abstimmungs- und Planungsaufwand, aber das Ergebnis zählt. Ich bin immer noch stolz, daran mitgewirkt zu haben.“

Gerade Projekte, bei denen es technisch anspruchsvoll wurde, es knifflige Lösungen zu erdenken galt, machten Andreas Schröder besonders Spaß – die Planungen des Gewerbegebiets an der Mercatorstraße und des Wohngebiets Finkenweg-Ost zum Beispiel. „Das war sehr zeitaufwendig, aber auch produktiv, weil wir dort viel abgestimmt haben mit den Erschließern und den Ingenieurbüros. Wir haben in diesen Gebieten, etwas gemacht, was wir in anderen nicht machen mussten. Regenwasser konnten wir nicht in Regenwasserkanäle leiten und zur Elbe schicken, sondern wir mussten überall Gräben und Rückhaltebecken einplanen – die gibt es dort en masse“, erklärt Andreas Schröder. „Mir ist nicht egal, wie Projekte am Ende aussehen. Aber bei solchen Sachen kann man richtig Ingenieur sein. Dort oben ging es einfach um Technik.“

Das habe ihm auch bei seiner ersten Anstellung gut gefallen. Denn nach seinem Studium in Lübeck habe er zunächst für ein Jahr bei der Straßenbaubehörde des Landes Schleswig-Holstein in Brunsbüttel gearbeitet. „Das war eigentlich eine tolle Arbeit, das war nur Technik – aber nur flaches Land ist nicht meine Welt“, erinnert sich Andreas Schröder. „Hier in Geesthacht waren Wald und Berge – und ich hatte eine Beziehung zur Stadt, auch wenn ich als 10-Jähriger ja aus Geesthacht weggezogen bin“, beschreibt Andreas Schröder, für den die Anstellung im Geesthachter Rathaus die zweite Lebensphase in der Elbestadt war. 1954 in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) geboren, zog er 1955 gemeinsam mit seinen Eltern nach Geesthacht. „Mein Vater hat an der Schleuse mitgearbeitet. Als die Arbeiten daran beendet waren, sind wir nach Lübeck gezogen“, berichtet Andreas Schröder. Dort habe er seine Mittlere Reife, das Fachabitur und schließlich sein Studium absolviert, bevor er im Sommer 1978 als Tiefbauingenieur in Brunsbüttel anfing.  „Lübeck ist immer noch meine heimliche Heimatstadt, aber nicht mehr mein Zuhause“, sagt Andreas Schröder, der als Beschäftigter der Stadtverwaltung Geesthacht mit der Elbestadt als Zuhause nur langsam warm wurde. „Ich war zu diesem Zeitpunkt ein Lübecker. Dort hatte ich meine Freunde und meine Familie. Unter der Woche habe ich in Geesthacht im Schwesterwohnheim gewohnt. Am Wochenende wollte ich immer nur weg – nach Lübeck“, schildert er die erste Phase im Geesthachter Rathaus, die schließlich durch eine besondere Begegnung beendet wurde: „Als ich im Rathaus meine heutige Frau kennengelernt habe, änderten sich die Perspektiven“, erinnert er sich.

Von seinem ersten Tag im Geesthachter Rathaus an, sei er im Tiefbau beschäftigt gewesen. Das Büro habe er nur einmal gewechselt – als er Fachdienstleiter wurde. Neben klassischen Straßenprojekten begleitete er zeitweise auch Maßnahmen des Umweltschutzes. „Wir haben damals zum Beispiel eine Umweltampel am Ziegenkrug geschaffen – die kennt heute keiner mehr. Ein blaues Licht ging an, wenn es sich nach einer bestimmten Zeit lohnte, den Motor abzustellen. Das war schon eine spannende Zeit“, erinnert Andreas Schröder, der aufgrund seiner fachlichen Kompetenz im Rathaus geschätzt wird. „Herr Schröder ist viele Jahre in der Stadtverwaltung Geesthachts gewesen – allein diese lange Zeit ist schon bemerkenswert. In dieser Zeit hat er viele tolle Projekte umsetzen können“, sagt Peter Junge, der den Fachbereich Planung, Bau und Umwelt leitet, dem der Fachdienst Tiefbau angehört.

Die große Abschiedsfeier mit Kolleginnen und Kollegen wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation vorerst ausfallen. Bürgermeister Olaf Schulze lässt es sich aber nicht nehmen, dem Fachdienstleiter Tiefbau folgende Worte mit auf den Weg zu geben: „Mehr als 40 Jahre hat er durch seine akribisch genaue Arbeit darauf geachtet, dass bei den vielen Projekten, die er für die Stadt Geesthacht begleitet hat, die Qualität stimmt. Er ist immer ein sehr engagierter Mitarbeiter gewesen.“

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