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29.04.2020

Neue Regeln im Straßenverkehr: "Schritt in die richtige Richtung"

Radfahren soll sicherer werden – das ist ein Hauptziel, das hinter der seit heute (28. April) geltenden Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) steht. Peter Junge, der als Leiter des Fachbereichs Umwelt und Bauen, auch für die Fahrradinfrastruktur der Stadt Geesthacht zuständig ist, findet: „Die Novelle ist ein Schritt in die richtige Richtung, den Radverkehr in Geesthacht attraktiver zu machen.“ Und das ist seit Jahren erklärtes Ziel von Politik und Verwaltung.

Eine neue Regelung, die vielen Autofahrern schwerfallen dürfte: Autos müssen künftig mindestens 1,50 Meter Abstand halten, wenn sie Radfahrende, Fußgänger oder E-Roller-Fahrende überholen. Außerhalb von Ortschaften sind es sogar zwei Meter. „Um diese Abstände einhalten zu können, reicht es nicht, dass der Autofahrende beim Überholen auf den Mittelstreifen fährt. Er muss schon auf die Gegenfahrbahn fahren – das schätzen viele falsch ein“, sagt Peter Junge, der als überzeugter Fahrradfahrer weiß, dass die Abstände zwischen Auto und Radler bei Überholvorgängen häufig geringer als die jetzt festgeschriebenen Maße ausfallen. „Ich glaube, dass sich durch die neuen Abstandsregelungen viele Radfahrende im Straßenverkehr sicherer fühlen werden und das muss ein Ziel von uns allen sein. Wenn wir einen Radfahreranteil von 25 Prozent erreichen wollen, müssen wir die Straßen sicherer machen und auch die gefühlte Sicherheit erhöhen“, betont Peter Junge. Die 25 Prozent sind im Nationalen Radverkehrsplan 2020 als Ziel für „Aufsteiger“ im Bereich Radverkehr genannt.

Mehr Sicherheit für Radfahrende bedeute auch eine weitere Neuregelung: Schutzstreifen, wie sie in Geesthacht auf Teilen der Sielstraße, der Rathausstraße und der Schillerstraße angebracht sind, gilt ab sofort ein generelles Halteverbot. Bisher durften Autofahrer auf den Streifen, die durch eine gestrichelte weiße Linie von der Fahrbahn abgetrennt sind, bis zu drei Minuten lang halten. „Autofahrer halten gerne mal auf Schutzstreifen an. Für den Radfahrenden bedeutet das aber ein Sicherheitsrisiko in einem Bereich, in dem sie eigentlich besonders geschützt werden sollten. Denn wenn ein Auto den Schutzstreifen blockiert, muss der Radfahrende einen Schlenker auf die Straße fahren“, erklärt Peter Junge, der für ein größeres Bewusstsein für den Sinn von Schutzstreifen wirbt. Diese würden auf der Fahrbahn markiert, um einen Sicherheitsabstand zwischen Auto- und Fahrradfahrern zu garantieren. „Wenn sich immer alle Autofahrenden an den Mindestabstand halten würden, wären die Schutzstreifen überflüssig.“ Wer sich an das neue Halteverbot auf Schutzstreifen nicht hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 100 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünder-Datei rechnen. Gleiches gilt laut neuem Bußgeldkatalog auch für Verkehrsteilnehmende, auf Geh- und Radwegen oder in zweiter Reihe parken.

Peter Junge sieht das Geesthachter Radverkehrskonzept im Punkt Einbahnstraßen bestätigt. Denn laut der Novelle der StVO sollen verstärkt die Möglichkeiten der Öffnung von Einbahnstraßen in beide Richtungen für den Radverkehr überprüft werden. In Geesthacht ist dieses in den vergangenen Jahren bereits in vielen Straßen des Stadtgebiets umgesetzt worden. Die Schillerstraße beispielsweise kann zwischen Mühlenstraße und Bergedorfer Straße von Radlern in beide Richtungen befahren werden – eine Situation, an die sich Auto- wie Radfahrende erst gewöhnen mussten, die laut Peter Junge aber in mehrfacher Hinsicht sinnvoll ist. „Das Ziel ist mehr Durchlässigkeit in der Stadt“, sagt der Fachbereichsleiter und wird konkreter: „Die Stärke des Fahrrads ist es, auf kurzen Strecken schnell unterwegs zu sein. Wenn eine Einbahnstraße vom Radfahrenden nur in eine Richtung nutzbar ist, bedeutet das für ihn auf dem Rückweg weite Umwege, die auf dem Fahrrad auch mit größeren Zeitverlusten verbunden sind. Einbahnstraßen machen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel also unattraktiver – unser Ziel ist das Gegenteil. Mit der Öffnung vieler Einbahnstraßen für Radfahrende in beide Richtungen liegen wir also richtig.“

Handlungsbedarf sieht er hingegen in einem Bereich, der durch den neuen Bußgeldkatalog nun teurere Folgen haben kann: Wer Radwege in falscher Richtung benutzt, muss nun mindestens 55 statt 15 Euro zahlen. Geschieht aufgrund dessen ein Unfall werden 100 Euro fällig. Auch Radfahrende, die auf dem Gehweg fahren ohne dass dieser für Radfahrer freigegeben ist, müssen mit Bußgeldern in Höhe von 55 bis 100 Euro rechnen. „Diese Situationen entstehen ja meistens, weil der Radfahrende in Fahrtrichtung keinen Radweg hat und sich auf dem Fußweg sicherer fühlt, als auf der Straße“, erklärt Peter Junge.  An der B5 beispielsweise seien in Geesthacht häufig Radfahrende in falscher Fahrtrichtung unterwegs. „Wir müssen also noch stärker darüber nachdenken, wie wir sichere Verkehrsführungen für Radfahrende hinbekommen“, sagt Peter Junge.

Weitere Veränderungen durch die StVO-Novelle: An Straßen mit getrennten Radwegen müssen Autofahrer beim Parken statt fünf nun acht Meter Abstand von Einmündungen halten. Ein neues Schild verbietet es, mit mehrspurigen Fahrzeugen einspurige zu überholen. Parkplätze für Lastenfahrräder und Radschnellwege können mit neuen Schildern ausgezeichnet werden. Zudem könnten analog zu Tempo-30-Zonen nun Fahrradzonen eingerichtet werden. Peter Junge: „Wir haben in der Stadt die Forderung nach mehr Tempo-30-Zonen. Fahrradzonen könnten sicher nochmal Gegenstand von Diskussionen mit der Politik werden.“

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